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Der Barreleye: der Tiefseefisch mit durchsichtigem Kopf

Barreleye-Tiefseefisch mit durchsichtigem Kopf und leuchtend grünen Augen im dunklen Ozean

Es gibt einen Fisch, dem man buchstäblich in den Kopf schauen kann. Der Barreleye (Macropinna microstoma) trägt eine durchsichtige, mit Flüssigkeit gefüllte Kuppel über dem Schädel – und mitten darin leuchten zwei knallgrüne Augen. Was aussieht wie zwei dunkle Punkte an der Schnauze, sind gar nicht die Augen. Es sind die Nasenlöcher. Die echten Augen sitzen tiefer im Kopf und drehen sich innerhalb der gläsernen Haube.

Stimmt das wirklich?

Ja, und es ist wissenschaftlich dokumentiert. Das Forschungsinstitut MBARI (Monterey Bay Aquarium Research Institute) in Kalifornien hat den Barreleye 2004 erstmals lebend in seiner Tiefe gefilmt. Auf den Aufnahmen ist die transparente Kuppel klar zu sehen – ein Merkmal, das lange niemand kannte, weil die zarte Haube in den Schleppnetzen der Forscher regelmäßig zerplatzte. Erst die ferngesteuerten Tauchroboter zeigten den Fisch unversehrt.

Beschrieben wurde die Art schon 1939 vom Ichthyologen W. M. Chapman. Doch dass der Kopf durchsichtig ist und die Augen beweglich sind, wurde erst 2008 von den MBARI-Forschern Bruce Robison und Kim Reisenbichler belegt. Der Fisch wird nur etwa 15 Zentimeter lang und lebt in 600 bis 800 Metern Tiefe im Nordpazifik – von der Beringsee bis vor die Küsten Japans und Kaliforniens.

Warum ist das so?

Die grünen Röhrenaugen des Barreleye sind extrem lichtempfindlich und normalerweise starr nach oben gerichtet. In der ewigen Dämmerung der Tiefsee ist das sinnvoll: Von oben fällt der letzte Rest Sonnenlicht ein, und vor diesem schwachen Schimmer zeichnen sich Beutetiere als Silhouetten ab. Der grüne Farbstoff in den Linsen filtert dabei das Restlicht von der Oberfläche heraus, sodass der Fisch das schwache Leuchten biolumineszenter Organismen über sich besser erkennen kann.

Lange dachte man, der Barreleye habe damit nur einen fixen Tunnelblick nach oben. Das warf ein Rätsel auf: Wie soll ein Fisch fressen, dessen Augen starr in den Himmel schauen, während sein winziges Maul nach vorn zeigt? Die Antwort steckt in der drehbaren Haube. Die Augen können sich innerhalb der gläsernen Kuppel nach oben und nach vorn drehen. Späht der Fisch nach Beute, blickt er nach oben. Beim Zuschnappen rollen die Augen nach vorn und schauen direkt auf das Maul – so behält er seine Nahrung im Blick, bis sie im Mund verschwindet.

Noch verrückter

Der Barreleye ist vermutlich ein Dieb. Forscher vermuten, dass er sich an den langen Tentakeln von Staatsquallen bedient – sogenannten Siphonophoren der Gattung Apolemia, die über zehn Meter lang werden können. In den Mägen gefangener Tiere fanden sich Reste von Nesseltieren und deren Beute. Der Fisch schwebt offenbar an den Fangfäden entlang und pflückt sich heraus, was dort hängen bleibt.

Genau hier zeigt die durchsichtige Kuppel ihren zweiten Zweck: Sie ist ein Schutzschild. Die Tentakel der Siphonophoren sind mit Nesselzellen gespickt, die brennend zustechen. Die mit Flüssigkeit gefüllte Haube legt sich wie ein Visier über die empfindlichen Augen und schirmt sie vor den Stichen ab. So kann der Barreleye zwischen den Nesselfäden manövrieren, ohne zu erblinden – mit großen, flachen Flossen, die ihn fast bewegungslos im Wasser stehen lassen.

Häufige Fragen

Was ist der Barreleye-Fisch?

Der Barreleye (Macropinna microstoma) ist ein etwa 15 Zentimeter langer Tiefseefisch aus dem Nordpazifik mit einem durchsichtigen, flüssigkeitsgefüllten Kopf, durch den man seine grünen Augen sehen kann.

Warum hat der Barreleye einen durchsichtigen Kopf?

Die gläserne Kuppel schützt die empfindlichen Augen vor den Nesselzellen der Quallen, an deren Tentakeln der Fisch frisst, und lässt seinen drehbaren Augen freie Sicht nach oben und vorn.

Kann der Barreleye seine Augen wirklich drehen?

Ja. Die grünen Röhrenaugen drehen sich innerhalb der durchsichtigen Kuppel nach oben, um Beute zu suchen, und nach vorn, wenn der Fisch frisst. Das wurde 2008 vom MBARI belegt.

In welcher Tiefe lebt der Barreleye?

Der Barreleye lebt in 600 bis 800 Metern Tiefe im Nordpazifik, von der Beringsee bis vor die Küsten Japans und Kaliforniens, in der dämmrigen Mesopelagial-Zone.

Was frisst der Barreleye?

Er ernährt sich vermutlich von kleinen Beutetieren, die in den Tentakeln von Staatsquallen (Siphonophoren) hängen bleiben, und stiehlt sich diese Nahrung von den Nesselfäden.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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