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Warum du morgens größer bist als abends

Person misst früh am Morgen ihre Körpergröße an einer Messlatte an der Wand im weichen Morgenlicht.

Miss dich einmal direkt nach dem Aufstehen und noch einmal spät am Abend – das Maßband zeigt einen Unterschied von bis zu zwei Zentimetern. Das bildest du dir nicht ein: Am Morgen bist du tatsächlich größer als am Abend. Verantwortlich sind deine Bandscheiben, die über Nacht aufquellen und im Lauf des Tages unter deinem eigenen Körpergewicht wieder zusammensacken.

Stimmt das wirklich?

Der Effekt ist gut belegt. Die meisten Fachleute nennen ein bis zwei Zentimeter, die zwischen Morgen und Abend verloren gehen – die BARMER spricht in ihrem Gesundheits-Newsletter sogar von bis zu drei Zentimetern. Ursula Marschall, Chefärztin der Krankenkasse, rät deshalb, die Körpergröße am besten früh am Morgen zu messen: Je nach Uhrzeit fällt das Ergebnis sonst spürbar anders aus.

Am größten ist der Verlust in den ersten Stunden, in denen du aufrecht unterwegs bist. Wer also glaubt, über den Tag „geschrumpft“ zu sein, liegt nicht falsch – der Körper holt sich die Zentimeter aber jede Nacht zurück.

Warum ist das so?

Zwischen deinen Wirbeln sitzen 23 Bandscheiben. Zusammen machen sie rund ein Viertel der Länge deiner Wirbelsäule aus, und jede einzelne funktioniert wie ein kleiner Schwamm. Im weichen Kern steckt ein wasserbindendes Gel: Sobald der Druck nachlässt, zieht es Flüssigkeit an; sobald Last darauf liegt, presst es sie wieder heraus.

Nachts, wenn du liegst, fällt das Gewicht des Oberkörpers weg. Die Bandscheiben saugen sich mit Flüssigkeit voll und werden dicker – deshalb bist du am Morgen am größten. Tagsüber drückt die Schwerkraft beim Sitzen, Stehen und Gehen das Wasser Stück für Stück wieder heraus. Pro Scheibe sind das nur wenige Zehntelmillimeter, doch über 23 Bandscheiben summiert sich das zu einem messbaren Zentimeter-Effekt.

Ein Nebeneffekt, der Physiotherapeuten interessiert: Direkt nach dem Aufstehen sind die Bandscheiben prall gefüllt und stehen unter höherem Innendruck. Schweres Heben gleich nach dem Wecker belastet sie darum etwas stärker als später am Tag – ein Grund, warum viele erst ein paar Minuten in Bewegung kommen, bevor sie richtig zupacken.

Noch verrückter: im Weltall wächst der Effekt ins Extreme

Fehlt die Schwerkraft ganz, kennt die Wirbelsäule keine Grenze mehr nach unten. Astronauten auf der Internationalen Raumstation werden in der Schwerelosigkeit bis zu drei Prozent größer – bei einer 1,80 Meter großen Person sind das rund fünf Zentimeter. NASA-Astronaut Scott Kelly wuchs während seines Jahres im All um etwa fünf Zentimeter.

Dauerhaft ist dieser Zugewinn nicht: Zurück auf der Erde presst die Schwerkraft die Bandscheiben innerhalb weniger Monate wieder auf ihr normales Maß. Weil die gestreckte Wirbelsäule bei der Rückkehr auch Rückenschmerzen auslösen kann, untersucht die NASA das Phänomen inzwischen per Ultraschall – dasselbe Schwamm-Prinzip, nur ohne Gegendruck.

Kurz gemerkt

  • Morgens bist du bis zu zwei bis drei Zentimeter größer als abends.
  • Grund sind die Bandscheiben, die nachts Flüssigkeit aufsaugen und tagsüber unter Last wieder abgeben.
  • Der größte Teil des Unterschieds verschwindet schon in den ersten Stunden nach dem Aufstehen.
  • In der Schwerelosigkeit wächst derselbe Effekt auf bis zu fünf Zentimeter – bildet sich auf der Erde aber zurück.

Quellen

Häufige Fragen

Wie viel größer ist man morgens als abends?

Meist ein bis zwei Zentimeter, in Einzelfällen bis zu drei. Über Nacht füllen sich die Bandscheiben mit Flüssigkeit und werden dicker, tagsüber sacken sie unter dem Körpergewicht wieder zusammen.

Warum schrumpft man im Lauf des Tages?

Die Schwerkraft presst beim Sitzen, Stehen und Gehen Flüssigkeit aus den Bandscheiben. Sie werden flacher, dadurch verliert die Wirbelsäule bis zum Abend einige Millimeter pro Scheibe.

Wann sollte man seine Körpergröße messen?

Am besten früh am Morgen, kurz nach dem Aufstehen. Dann sind die Bandscheiben am prallsten und du bekommst den höchsten, über den Tag am besten vergleichbaren Messwert.

Wachsen Astronauten wirklich im Weltall?

Ja. In der Schwerelosigkeit fehlt der Druck auf die Wirbelsäule, Astronauten werden bis zu drei Prozent oder rund fünf Zentimeter größer. Auf der Erde bildet sich das nach einigen Monaten zurück.

Ist der tägliche Größenunterschied gefährlich?

Nein, er ist völlig normal und reversibel. Die Bandscheiben geben tagsüber Flüssigkeit ab und nehmen sie nachts wieder auf – ein gesunder Kreislauf, kein Grund zur Sorge.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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