Manche Tiefseefische sind so dunkel, dass selbst eine Kamera sie kaum als Körper erkennt — nur als schwarzes Loch im Wasser. Ihre Haut verschluckt mehr als 99,5 Prozent des Lichts, das auf sie trifft. Der schwärzeste bekannte Vertreter, ein winziger Anglerfisch, wirft gerade einmal 0,04 Prozent zurück. Damit spielen diese Tiere in derselben Liga wie die dunkelsten Materialien, die Menschen im Labor bauen.
Stimmt das wirklich?
Ja, und die Zahlen sind gut belegt. Ein Team von der Duke University und dem Smithsonian National Museum of Natural History untersuchte 2020 fangfrische Tiefseefische aus dem Monterey Bay und dem Golf von Mexiko — gesammelt aus bis zu 2.000 Metern Tiefe. Mit einem Spektrometer maßen die Forschenden, wie viel Licht die Haut zurückwirft.
- 16 Arten reflektierten weniger als 0,5 Prozent des auftreffenden Lichts.
- Der dunkelste Fisch, ein Anglerfisch, gab nur 0,04 Prozent zurück.
- Das ist rund 20-mal dunkler als ein normales schwarzes Alltagsobjekt.
Zum Vergleich: Selbst technische Rekord-Schwärze wie Vantablack absorbiert „nur“ etwa 99,96 Prozent. Ein Fisch, der durch schlichte Evolution entsteht, kommt diesem Laborwert erstaunlich nahe. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal Current Biology.
Warum ist das so?
Der Trick steckt in winzigen Pigmentpaketen in den Hautzellen — den Melanosomen. Die haben fast alle Tiere, auch du. Bei ultraschwarzen Fischen sind sie aber anders geformt und angeordnet: größer, eher wie Tic-Tacs statt kugelrund, und sie liegen dicht an dicht in einer durchgehenden Schicht knapp unter der Oberfläche.
Dadurch bleibt kaum eine unpigmentierte Lücke, an der Licht entkommen könnte. Trifft ein Photon auf ein Melanosom und wird nicht sofort geschluckt, lenkt die Packung es zum Nachbarn weiter — und zum nächsten. Das Licht wird immer wieder umgeleitet, bis fast nichts mehr übrig ist. Kein Glanz, kein Umriss, keine Reflexion.
Spannend für die Forschung: Vögel und Schmetterlinge erzeugen tiefes Schwarz über komplizierte Mikro- und Nanostrukturen. Die Fische schaffen es mit einer viel einfacheren Bauweise — nur über Form und dichte Lage der Melanosomen.
Noch verrückter
Warum baut ein Fisch überhaupt die perfekte Tarnkappe? Weil die Tiefsee kein sicherer Ort ist. Unterhalb der Reichweite des Sonnenlichts ist es zwar stockdunkel — doch viele Jäger tragen ihr eigenes Licht mit sich. Sie erzeugen per Biolumineszenz einen Suchscheinwerfer, um Beute aufzuspüren. In diesem offenen Wasser gibt es nichts, wovor man sich verstecken könnte.
Eine Forscherin verglich das mit Verstecken auf einem Fußballfeld: keine Deckung, nirgends. Also wird der Körper selbst zur Deckung. Trifft der Suchstrahl eines Räubers auf einen ultraschwarzen Drachenfisch, kommt fast nichts zurück — das Tier bleibt unsichtbar, obwohl es angeleuchtet wird. Zu den Meistern der Technik zählt der Pazifische Schwarze Drachenfisch (Idiacanthus antrostomus), daneben der Fangzahnfisch und mehrere Anglerfische.
Und die Menschheit schaut genau hin: Weil die Fisch-Lösung so simpel ist, könnte sie das Herstellen ultraschwarzer Materialien erleichtern — etwa für Teleskope, Kameras und Solartechnik, wo jedes Streulicht stört.
Quellen
- Davis, Johnsen, Osborn et al.: „Ultra-Black Camouflage in Deep-Sea Fishes“, Current Biology (2020), DOI 10.1016/j.cub.2020.06.044.
- Duke University Today: „Ultra-Black Skin Allows Some Fish to Lurk Unseen“ (2020).
- Science News: „Superblack fish can disappear in the deep sea’s darkness“ (2020).
Häufige Fragen
Wie viel Licht absorbieren ultraschwarze Tiefseefische?
Mindestens 99,5 Prozent des auftreffenden Lichts. Der dunkelste gemessene Fisch, ein Anglerfisch, reflektiert nur 0,04 Prozent zurück — rund 20-mal dunkler als ein normales schwarzes Objekt.
Warum sind manche Tiefseefische so extrem schwarz?
Als Tarnung. In der Tiefsee jagen viele Räuber mit selbst erzeugtem Biolumineszenz-Licht. Ultraschwarze Haut wirft dieses Licht kaum zurück, sodass der Fisch selbst im Scheinwerfer unsichtbar bleibt.
Wie funktioniert die ultraschwarze Fischhaut?
Über dicht gepackte Pigmentpakete, die Melanosomen. Ihre Form und lückenlose Anordnung lenken Licht immer wieder von einem Melanosom zum nächsten, bis es fast vollständig geschluckt ist.
Welcher Fisch ist der schwärzeste?
In der Studie von 2020 war ein winziger Anglerfisch der dunkelste: Er reflektierte nur 0,04 Prozent des Lichts. Auch der Pazifische Schwarze Drachenfisch gehört zu den ultraschwarzen Arten.
Ist die Fischhaut schwärzer als Vantablack?
Fast. Die dunkelsten Fische kommen an technische Rekord-Schwärze wie Vantablack (rund 99,96 Prozent) sehr nah — und schaffen das über eine biologisch viel einfachere Bauweise.
