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Beteigeuze: Wann explodiert der Stern im Orion?

Das Sternbild Orion am Nachthimmel mit dem rot leuchtenden Überriesen Beteigeuze an der Schulter

Beteigeuze kann als Supernova explodieren – heute Nacht oder erst in rund 100.000 Jahren. Der rote Überriese auf der Schulter des Orion steht am Ende seines Lebens, doch niemand kann den Zeitpunkt genau nennen. Sicher ist nur: Wenn es passiert, wird der Stern tagelang so hell leuchten wie der halbe Vollmond – sichtbar sogar am Taghimmel.

Stimmt das wirklich?

Ja. Beteigeuze (englisch Betelgeuse) ist ein roter Überriese in etwa 650 Lichtjahren Entfernung und markiert die linke Schulter des Sternbilds Orion. Mit rund 15- bis 20-facher Sonnenmasse gehört er zu der Sorte Stern, die ihr Leben zwangsläufig in einer Kernkollaps-Supernova beendet.

Warum der Zeitpunkt so unscharf ist, liegt an der Physik: Astronominnen und Astronomen können von außen nicht direkt ins Innere des Sterns schauen. Eine viel beachtete Studie aus dem Jahr 2023 deutete den Brennstoff-Zustand so, dass die Explosion in „Jahrzehnten“ bevorstehen könnte. Neuere Auswertungen legen dagegen nahe, dass Beteigeuze noch mitten in einer stabileren Brennphase steckt – und damit womöglich noch Zehntausende Jahre vor sich hat. In kosmischen Maßstäben heißt „bald“ eben irgendwo zwischen morgen und 100.000 Jahren.

Warum ist das so?

Ein Stern lebt vom Gleichgewicht zweier Kräfte: Die Kernfusion in seinem Inneren drückt nach außen, die eigene Schwerkraft zieht nach innen. Solange im Kern Wasserstoff zu Helium verschmilzt, bleibt dieses Gleichgewicht stabil. Massereiche Sterne wie Beteigeuze verbrennen ihren Vorrat aber rasend schnell und arbeiten sich danach durch immer schwerere Elemente – Helium, Kohlenstoff, Sauerstoff, Silizium.

Sobald im Zentrum Eisen entsteht, ist Schluss: Die Fusion von Eisen liefert keine Energie mehr, sondern kostet welche. Der Strahlungsdruck bricht in Sekundenbruchteilen weg, der Kern stürzt in sich zusammen und prallt zurück – eine Stoßwelle zerreißt den Stern. Zurück bleibt ein extrem dichter Neutronenstern. Für einen schwarzen Loch ist Beteigeuze mit seiner Masse eher zu leicht.

Wie riesig dieser Stern ist, macht ein Gedankenspiel klar: Setzte man Beteigeuze an die Stelle unserer Sonne, würde seine Oberfläche weit über die Bahn des Mars hinausreichen – nach manchen Schätzungen bis in die Nähe des Jupiter. Die Erde läge tief im Inneren des Sterns.

Noch verrückter: das große Verdunkeln

Ende 2019 sorgte Beteigeuze für Schlagzeilen. Innerhalb weniger Monate verlor der Stern rund zwei Drittel seiner Helligkeit – das „Great Dimming“. Viele fragten sich, ob die Supernova unmittelbar bevorstehe. Die Lösung war weniger dramatisch, aber faszinierend: Der Stern hatte eine gewaltige Menge Gas ins All geschleudert, das zu einer Staubwolke abkühlte und einen Teil des Lichts wie ein Vorhang abschattete. Das Hubble-Teleskop dokumentierte diesen Materie-Ausbruch.

2025 kam der nächste Überraschungsfund. Astronominnen und Astronomen bestätigten einen kleinen Begleitstern, der Beteigeuze umkreist – getauft auf den Namen Siwarha („ihr Armband“). Der Zwerg mit etwa anderthalbfacher Sonnenmasse zieht ungefähr alle sechs Jahre durch die riesige, ausgedehnte Außenhülle des Überriesen und stört sie dabei. Das erklärt eine langsame, regelmäßige Helligkeitsschwankung, die Forschende über Jahrzehnte gerätselt hatte. Anfang 2026 wies das Hubble-Teleskop sogar die „Kielwelle“ nach, die der Begleiter durch die Sternatmosphäre zieht.

Und die vielleicht schönste Pointe: Weil das Licht von Beteigeuze rund 650 Jahre bis zu uns unterwegs ist, sehen wir immer nur die Vergangenheit des Sterns. Theoretisch könnte er längst explodiert sein – und die Nachricht davon wäre einfach noch nicht bei uns angekommen. Astronomisch ist das zwar sehr unwahrscheinlich, aber es zeigt, wie tief wir beim Blick in den Nachthimmel in die Zeit zurückschauen.

Gefährlich für die Erde?

Nein. Eine Supernova müsste deutlich näher stehen – grob innerhalb von etwa 50 bis 160 Lichtjahren –, um der Erde mit Strahlung ernsthaft zuzusetzen. Mit rund 650 Lichtjahren ist Beteigeuze weit außerhalb dieser Zone. Statt einer Gefahr wäre die Explosion ein Jahrhundertschauspiel: ein Lichtpunkt, so hell wie der halbe Vollmond, der wochenlang am Taghimmel steht und nachts Schatten wirft, bevor er über Monate verblasst und der Orion fortan ohne seine rechte Schulter auskommen muss.

Quellen

Häufige Fragen

Wann explodiert Beteigeuze als Supernova?

Der genaue Zeitpunkt ist unbekannt. In kosmischen Maßstäben kann es jederzeit passieren – von heute Nacht bis in rund 100.000 Jahren. Neuere Daten deuten eher auf einige Zehntausend Jahre hin.

Wie weit ist Beteigeuze von der Erde entfernt?

Beteigeuze steht rund 650 Lichtjahre entfernt im Sternbild Orion. Ihr Licht ist also etwa 650 Jahre unterwegs, bevor es uns erreicht.

Ist eine Supernova von Beteigeuze gefährlich für die Erde?

Nein. Gefahr durch Strahlung bestünde nur bei einer Entfernung von grob 50 bis 160 Lichtjahren. Mit 650 Lichtjahren ist Beteigeuze weit außerhalb dieser Zone.

Wie hell wird Beteigeuze bei der Explosion?

So hell wie etwa der halbe Vollmond. Der Stern wäre wochenlang sogar am Taghimmel sichtbar und würde nachts Schatten werfen, bevor er über Monate verblasst.

Was bleibt nach der Supernova übrig?

Aus dem Kern wird ein extrem dichter Neutronenstern. Für ein schwarzes Loch ist Beteigeuze mit 15 bis 20 Sonnenmassen eher zu leicht.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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