Das Licht am Köder eines Tiefsee-Anglerfisches kommt nicht aus dem Fisch. Die Biolumineszenz beim Anglerfisch stammt von Leuchtbakterien, die in seiner Esca wohnen – dem fleischigen Kolben am Ende eines umgebauten Rückenflossenstrahls. Der Fisch stellt Schutz und Nährstoffe, die Bakterien liefern das kalte, blau-grüne Leuchten. Weil das Licht aus dem Untermieter kommt, spricht man von bakterieller oder sekundärer Biolumineszenz.
Wie heißt der Fisch mit der Lampe?
Gemeint sind die Tiefsee-Anglerfische, wissenschaftlich die Unterordnung Ceratioidei mit gut 160 beschriebenen Arten. Der bekannteste ist der Schwarze Seeteufel Melanocetus johnsonii – jener kugelrunde Fisch mit Nadelzähnen, der in jeder Tiefsee-Doku auftaucht. Die „Lampe“ ist die Esca, der Angelstiel darüber heißt Illicium. Wichtig für die Namenssuche: Der Seeteufel aus der Fischtheke (Lophius piscatorius, auch Lotte) ist ein anderer Fisch. Er angelt zwar ebenfalls mit einem Köder, besitzt aber kein Leuchtorgan.
Stimmt das wirklich? Die Belege zur Biolumineszenz beim Anglerfisch
Ja – und Leuchten ist in der Tiefe eher Normalfall als Kuriosum. Für die bislang größte Zählung werteten Séverine Martini und Steven Haddock 17 Jahre Tauchrobotervideos aus dem Monterey Canyon aus: über 350.000 einzeln bestimmte Tiere von der Oberfläche bis 3.900 Meter. Ergebnis: 76 Prozent aller beobachteten Individuen können Licht erzeugen, und der Anteil bleibt über alle Tiefen erstaunlich konstant. Die oft zitierten „90 Prozent“ sind also zu hoch gegriffen.
Beim Anglerfisch sitzt das Licht in der Esca, und die Lichtquelle sind Bakterien. Lange galten Vertreter von Photobacterium als Kandidaten. Genomanalysen an sechs Anglerfisch-Gattungen aus dem Golf von Mexiko haben das 2019 korrigiert: Es sind zwei bis dahin unbekannte Arten, Candidatus Enterovibrio luxaltus und Candidatus Enterovibrio escacola. Cryptopsaras couesii beherbergt ausschließlich die erste, andere Familien teilen sich die zweite.
Warum leuchten Anglerfische – und woher kommen die Bakterien?
Das Licht entsteht chemisch: Das bakterielle Enzym Luciferase oxidiert seinen Brennstoff und gibt die Energie fast vollständig als Licht ab, kaum als Wärme. Heraus kommt ein blau-grüner Ton um 470 bis 490 Nanometer – genau der Bereich, der sich im Wasser am weitesten ausbreitet. Für den Fisch ist das eine Falle mit Anzeige: Wer dem Punkt folgt, steht vor einem Maul mit nach innen gebogenen Zähnen.
Der verblüffende Teil ist die Beschaffung. Der Anglerfisch erbt seine Leuchtbakterien nicht von der Mutter. In Larven und Jungtieren fanden Forschende keinen einzigen der bestätigten Symbionten – erst in der Esca ausgewachsener Tiere sind sie massenhaft da. Die Bakterien werden also aus dem Meerwasser aufgenommen, sobald das Leuchtorgan heranreift; passende DNA ließ sich in Wasserproben aus der Umgebung der Fische nachweisen. Auch die Stammbäume passen dazu: Wirt und Bakterium haben sich nicht gemeinsam entwickelt.
Das ist deshalb kurios, weil diese Bakterien längst auf das Leben im Fisch spezialisiert sind. Ihr Genom ist gegenüber frei lebenden Verwandten um rund 50 Prozent geschrumpft, etwa 30 Prozent des Rests bestehen aus springenden Genabschnitten. Sie haben Gene für Beweglichkeit und eigene Nährstoffherstellung verloren – und müssen trotzdem eine Zeit lang allein in der Tiefsee überdauern, bis der nächste Wirt vorbeikommt.
Wer in der Tiefsee sonst noch leuchtet
Zwei Wege führen zum Licht: eigene Chemie im Körper (intrinsisch) oder eingemietete Bakterien. Der Anglerfisch steht für den zweiten Weg, viele Tintenfische für den ersten.
| Tier | Lichtquelle | Tiefe |
|---|---|---|
| Tiefsee-Anglerfisch (Ceratioidei) | Leuchtbakterien in der Esca | meist unter 1.000 m |
| Seeteufel / Lotte (Lophius piscatorius) | kein Licht – nur ein Angelköder | 20–1.000 m |
| Dana-Oktopuskalmar (Taningia danae) | eigene Photophoren an zwei Armspitzen | 200–2.000 m |
| Bartangler (Linophryne) | beides gleichzeitig | Tiefsee |
Der Dana-Oktopuskalmar trägt die größten bekannten Leuchtorgane des Tierreichs – zitronengroße Photophoren an den Armspitzen, die er wie Blitzlichter einsetzt. Bei Fischen und Kopffüßern insgesamt leuchtet nach der Monterey-Zählung etwa die Hälfte der Arten, bei Quallen und Staatsquallen sind es fast 100 Prozent.
Noch verrückter: Nur die Weibchen angeln
Die Leuchtangel tragen ausschließlich Weibchen. Die Männchen vieler Tiefsee-Anglerfische bleiben zwergenhaft, haben keine Esca und kein eigenes Jagdwerkzeug. Ihre Aufgabe ist es, ein Weibchen zu finden und sich festzubeißen. Bei einigen Arten verwachsen beide danach dauerhaft: Haut, Gewebe und Blutkreislauf verschmelzen, bis vom Männchen kaum mehr bleibt als ein angedockter Spermienlieferant. Biologen nennen das sexuellen Parasitismus – in einem Lebensraum, in dem ein Partner Monate entfernt sein kann, ist Festhalten die sicherere Strategie.
Eine Ausnahme sprengt sogar die Überschrift dieses Artikels: Die Bartangler der Gattung Linophryne tragen zusätzlich zur bakteriell betriebenen Esca einen verzweigten Kinnbartel, der mit körpereigener Chemie leuchtet – ohne Bakterien, dafür mit eigenen lichterzeugenden Körnchen im Gewebe. Sie gehören damit zu den ganz wenigen Tieren, die auf zwei völlig verschiedene Arten gleichzeitig Licht machen.
Was die Forschung zuletzt herausfand
Im Januar 2025 filmte die Meeresschutzorganisation Condrik Tenerife vor Playa San Juan auf Teneriffa einen ausgewachsenen Schwarzen Seeteufel bei Tageslicht dicht unter der Wasseroberfläche – für ein Tier, das sonst zwischen 200 und 2.000 Metern lebt, ein bis dahin nicht dokumentierter Anblick. Das offenbar verletzte Weibchen starb wenige Stunden später; der Körper ging an das Naturkundemuseum MUNA in Santa Cruz.
Und im November 2024 zeigte eine Auswertung von 1.092 Genen plus CT-Scans von 132 Arten, wie die Gruppe überhaupt in die Tiefe kam: Die Vorfahren der Ceratioiden lebten am Meeresboden, bevor sie ins freie Wasser aufbrachen. Statt zu verarmen, wurden die Körperformen dort vielfältiger als bei ihren Verwandten am Grund – von der Kugel bis zur „Wolfsfallen“-Form mit riesigem Klappmaul. Die leuchtende Angel war offenbar der Türöffner in einen Lebensraum, in dem Beute selten und Sichtbarkeit alles ist.
Quellen
- eLife (2019) – Diverse deep-sea anglerfishes share a genetically reduced luminous symbiont acquired from the environment
- FEMS Microbiology Ecology (2019) – Mikrobiom und Leuchtsymbionten über die Lebensstadien von Ceratioiden
- Scientific Reports (2017) – Martini & Haddock: Quantifizierung der Biolumineszenz von der Oberfläche bis in die Tiefsee
- Rice University (2024) zur Studie in Nature Ecology & Evolution – Evolution der Anglerfische
- Journal of Zoology – Dual bioluminescent systems in the anglerfish genus Linophryne
- National Geographic (2025) – Einzigartige Anglerfisch-Sichtung vor Teneriffa
- Live Science – Taningia danae und die größten Leuchtorgane des Tierreichs
Häufige Fragen
Warum leuchten Anglerfische?
Das Leuchten der Esca lockt in der dunklen Tiefsee Beute an. Das Licht selbst erzeugt der Fisch nicht: Es stammt von Leuchtbakterien, die in dem Köder leben.
Erzeugt der Anglerfisch sein Licht selbst?
Nein. Symbiotische Bakterien in der Esca machen das Licht über das Enzym Luciferase. Nur die Bartangler der Gattung Linophryne leuchten zusätzlich mit körpereigener Chemie im Kinnbartel.
Wie heißt der Fisch mit der Lampe?
Tiefsee-Anglerfisch (Ceratioidei). Am bekanntesten ist der Schwarze Seeteufel Melanocetus johnsonii. Die Lampe ist die Esca am Ende des Angelstiels (Illicium).
Welche Bakterien bringen die Esca zum Leuchten?
Zwei Arten der Gattung Enterovibrio: Candidatus Enterovibrio luxaltus und Candidatus Enterovibrio escacola. Ihr Genom ist rund 50 Prozent kleiner als das frei lebender Verwandter.
Leuchtet der Seeteufel aus der Fischtheke auch?
Nein. Lophius piscatorius angelt zwar mit einem Köder, hat aber kein Leuchtorgan. Nur die Tiefsee-Anglerfische tragen eine bakteriell betriebene Leuchtangel.
