Der Blobfisch gilt als hässlichstes Tier der Welt – dabei zeigt das berühmte Foto gar nicht, wie er wirklich aussieht. In seiner Heimat, 600 bis 1.200 Meter tief vor Australien, ist er ein kompakter, fast normal geformter Tiefseefisch. Die schmelzende Knollennase mit dem traurigen Blick entsteht erst, wenn ihn ein Netz an die Oberfläche reißt und der Wasserdruck schlagartig zusammenbricht.
Stimmt das wirklich?
Ja. Der Blobfisch (Psychrolutes marcidus) lebt in Tiefen von rund 600 bis 1.200 Metern, vor allem vor Australien und Tasmanien. Dort ist der Druck 60- bis 120-mal höher als an der Meeresoberfläche – in 1.200 Metern lasten fast 120 bar auf dem Körper, das entspricht etwa 121 Kilogramm auf jedem Quadratzentimeter.
Das Bild, das jeder kennt, stammt von einem einzelnen Exemplar, das an Bord eines Forschungsschiffs fotografiert wurde – also an der Luft, nach dem Aufstieg durch mehr als einen Kilometer Wasser. Genau dieser Aufstieg macht aus dem Fisch die traurige Gallertmasse. Lebendig in der Tiefe hat ihn kaum jemand zu Gesicht bekommen.
Warum sieht er oben so „geschmolzen“ aus?
Der Blobfisch ist ein Meister des Energiesparens – und dafür hat er auf fast alles verzichtet, was einem Fisch Form gibt. Er besitzt keine Schwimmblase, kaum Muskeln und nur ein weiches, teils reduziertes Skelett ohne feste Schuppen. Sein Körper besteht größtenteils aus einer gallertartigen Masse, deren Dichte knapp unter der von Wasser liegt.
In der Tiefe funktioniert das perfekt: Der enorme Umgebungsdruck presst dieses weiche Gewebe zusammen und hält es in Form, während der leichte Auftrieb den Fisch mühelos knapp über dem Meeresboden schweben lässt – ganz ohne aktives Schwimmen. Zieht ein Schleppnetz ihn dann in Minuten nach oben, fällt der Druck von rund 120 bar auf 1 bar. Ohne stützendes Skelett und ohne festen Muskelmantel dehnt sich das Gewebe aus, sackt zusammen und quillt zur bekannten Knollennase auf. Was wir für sein Gesicht halten, ist in Wahrheit ein Dekompressionsschaden.
Wie er in der Tiefe wirklich lebt
Unverformt ist der Blobfisch ein unspektakulärer, gedrungener Fisch von meist unter 30 Zentimetern Länge mit großem Kopf und schlankem Körper. Statt Beute zu jagen, lässt er sich treiben und frisst, was vor seinem Maul vorbeischwebt – herabsinkendes essbares Material und kleine Tiefsee-Krebse. Sein ganzer Bauplan ist auf minimalen Aufwand ausgelegt: Er wartet, statt zu arbeiten. In einer Umgebung ohne Licht und mit knapper Nahrung ist genau das ein cleveres Überlebensmodell, keine Missbildung.
Noch verrückter
Seine Karriere als „hässlichstes Tier der Welt“ verdankt der Blobfisch einer Abstimmung: 2013 kürte ihn die britische Ugly Animal Preservation Society zu ihrem Maskottchen, um auf bedrohte, aber unfotogene Arten aufmerksam zu machen. Das ikonische Foto zeigt ein Exemplar mit dem Spitznamen „Mr Blobby“, das eine australische Forschungsexpedition schon 2003 in der Tasmansee aus großer Tiefe an Bord holte und konservierte.
Der Witz an der ganzen Sache: Ein weltberühmtes Gesicht, ein eigenes Society-Maskottchen und Millionen Meme-Klicks – und all das basiert auf einem toten Tier, das durch den Aufstieg entstellt wurde. Der lebende Blobfisch in der kalten Dunkelheit der Tiefsee sieht schlicht anders aus, als seine Berühmtheit vermuten lässt.
Quellen
- Wikipedia: Psychrolutes marcidus (Tiefe, Druck, Auftrieb, Nahrung)
- A-Z Animals: Blobfish – Anpassungen und Dekompression
- facts.net: 33 Fakten über den Blobfisch
- PETBOOK: Warum der Blobfisch in Wirklichkeit gar nicht so aussieht
Häufige Fragen
Wie sieht der Blobfisch in seiner natürlichen Umgebung aus?
In 600 bis 1.200 Metern Tiefe ist er ein kompakter, fast normal geformter Fisch mit großem Kopf. Der enorme Wasserdruck hält seinen weichen Körper in Form.
Warum sieht der Blobfisch an der Oberfläche so „geschmolzen“ aus?
Ohne Schwimmblase und festes Skelett dehnt sich sein gallertartiges Gewebe aus, wenn der Druck beim Hochziehen im Netz von rund 120 bar auf 1 bar fällt. Das ist ein Dekompressionsschaden.
In welcher Tiefe lebt der Blobfisch?
Meist 600 bis 1.200 Meter tief vor Australien und Tasmanien, wo der Druck 60- bis 120-mal höher ist als an der Meeresoberfläche.
Ist der Blobfisch wirklich das hässlichste Tier der Welt?
2013 wählte ihn die Ugly Animal Preservation Society zu ihrem Maskottchen. Grundlage ist aber ein durch Dekompression entstelltes Foto, nicht sein echtes Aussehen.
Wie ernährt sich der Blobfisch?
Er schwebt fast bewegungslos über dem Meeresboden und frisst essbares Material, das an ihm vorbeitreibt, etwa kleine Tiefsee-Krebse.
