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Blausteine von Stonehenge: Wie kamen die Tonnen-Blöcke dorthin?

Steinkreis von Stonehenge im Morgennebel: kleinere Blausteine vor den massiven Sarsen-Trilithen auf der Salisbury Plain

Rund 42 kleinere Steine stehen im Innersten des Monuments – und keiner davon gehört geologisch dorthin. Die Blausteine von Stonehenge stammen aus den Preseli-Hügeln in Pembrokeshire, Wales, gut 230 Kilometer entfernt. Jeder Block wiegt zwei bis vier Tonnen. Menschen der Jungsteinzeit haben sie ohne Rad, ohne Metallwerkzeug und ohne Zugtiere quer über die Insel bewegt. Das ist keine Legende, sondern durch Gesteinsanalysen belegt.

Stimmt das wirklich?

Ja – und die Herkunft ist punktgenau bestimmt. Geologen haben die chemische Signatur der Steine mit Gesteinen in ganz Großbritannien verglichen. Der Treffer liegt im Norden der Preseli-Hügel, rund 230 Kilometer Luftlinie von der Salisbury Plain entfernt. Zwei Steinbrüche konnten Archäologen sogar direkt benennen: Carn Goedog lieferte den gefleckten Dolerit, Craig Rhos-y-felin einen Rhyolith. In den Abbauspuren steckte Holzkohle, die sich auf etwa 3000 v. Chr. datieren ließ. Hier wurde also vor rund 5000 Jahren gezielt Stein gebrochen – genau in der Zeit, als die ersten Steine in Stonehenge aufgestellt wurden.

Ihren Namen tragen die Blöcke übrigens nicht wegen eines auffälligen Farbtons im Trockenen: Erst nass oder frisch gebrochen schimmern die Bruchflächen bläulich.

Warum die Blausteine von Stonehenge kein Gletscher gebracht hat

Über ein Jahrhundert lang standen sich zwei Lager gegenüber. Das eine sagte: Gletscher der Eiszeit haben das walisische Gestein bis in die Nähe der Salisbury Plain geschoben, die Erbauer mussten es nur noch ein Stück weiterbewegen. Das andere sagte: alles Menschenwerk, über die volle Strecke. Im Januar 2026 legte ein Team der Curtin University um Anthony Clarke und Chris Kirkland in Communications Earth & Environment die bislang deutlichste Antwort auf die Frage vor, wie die Blausteine von Stonehenge an ihren Platz kamen. Die Forscher analysierten über 500 Zirkonkristalle aus Flusssedimenten rund um die Salisbury Plain. Hätte ein Eisstrom Gestein aus Wales oder Schottland hierher transportiert, müsste er eine mineralische Handschrift hinterlassen haben. Sie fehlt vollständig. Bereits 2025 war der vieldiskutierte „Newall-Findling“ eindeutig Craig Rhos-y-felin zugeordnet worden statt einem Gletscher.

Bleibt Muskelkraft – und die reicht erstaunlich weit. Am UCL Institute of Archaeology zog ein Team um Barney Harris einen Ein-Tonnen-Stein auf einem Y-förmigen Schlitten aus Bergahorn über ausgelegte Holzbohlen: zehn Freiwillige, rund drei Meter alle fünf Sekunden, hochgerechnet knapp 1,6 Kilometer pro Stunde. Für einen echten Zwei-Tonnen-Block wären demnach etwa 20 Personen nötig. Ein anderer Versuch bewegte vier Tonnen mit rund 60 Ziehenden plus Helfern, die die Rollen immer wieder nach vorne trugen. Geschmiert wurde vermutlich mit Wasser oder tierischem Fett. Kein einzelner Held also, sondern eine durchorganisierte Gemeinschaft über Wochen – und auf einer 230-Kilometer-Route sehr wahrscheinlich abschnittsweise auf Flüssen und entlang der Küste statt durchgehend über Land.

Noch verrückter: Ein Stein kam aus Schottland

2024 sorgte eine Studie im Fachjournal Nature für eine echte Überraschung. Der flach liegende Altar Stone, der zentrale Sechs-Tonnen-Block, stammt gar nicht aus Wales. Seine Mineralkörner passen zum Orcadian Basin im Nordosten Schottlands – rund 700 Kilometer entfernt. Ein Folgepapier schloss die Hauptinsel von Orkney als Quelle wieder aus: Der Altar Stone enthält kaum Kalifeldspat, dafür reichlich des Tonminerals Tosudit – beides passt nicht zu den dortigen Sandsteinen. Die Richtung Nordost-Schottland blieb, der genaue Steinbruch ist bis heute offen.

Im Juni 2026 nahm sich eine Untersuchung im Journal of Quaternary Science die Transportfrage vor und kombinierte Herkunftsanalyse mit einer Modellierung der eiszeitlichen Eisströme. Ergebnis: Es gab schlicht keine gangbare Gletscherbahn vom Quellgebiet bis zur Salisbury Plain; Eis hätte den Block allenfalls Richtung Doggerbank in der heutigen Nordsee getragen. Übrig bleibt ein mehrstufiger Transport durch Menschen – über Land, wo es sein musste, auf Fluss- und Küstenwegen, wo es ging. Für eine Strecke quer durch Britannien heißt das: Planung, Absprachen zwischen Gemeinschaften und ein sehr genaues Bild von der eigenen Landschaft.

Eine zweite Spur führt zurück nach Wales. In den Preseli-Hügeln liegt der Steinkreis Waun Mawn, dessen leere Steinlöcher in Form und Größe verblüffend zu Blöcken in Stonehenge passen. Der Archäologe Mike Parker Pearson vermutet, dass hier ein kompletter walisischer Kreis abgebaut und samt Steinen nach Osten „umgezogen“ wurde. Diese These ist unter Fachleuten umstritten – Kritiker halten den Befund für zu dünn und den Kreis für zu unregelmäßig, Parker Pearson hielt mit den detaillierteren Grabungsplänen von 2021 dagegen. Bewiesen ist der Umzug nicht, ausgeschlossen aber auch nicht.

Der eigentliche Kern des Rätsels liegt ohnehin woanders. Baumaterial gab es in der Nähe: Die tonnenschweren Sarsen-Blöcke des äußeren Rings holten die Erbauer aus West Woods, keine 25 Kilometer entfernt. Die kleineren Steine mussten trotzdem aus Wales kommen – und einer sogar aus Schottland. Nicht der Transport war das Motiv, sondern die Herkunft der Steine selbst: Die Blausteine von Stonehenge mussten aus genau diesen Hügeln kommen – sonst hätte man sich die Mühe sparen können.

Quellen

Häufige Fragen

Woher kommen die Blausteine von Stonehenge?

Aus den Preseli-Hügeln in Pembrokeshire, Wales – rund 230 Kilometer entfernt. Zwei Steinbrüche sind direkt nachgewiesen: Carn Goedog und Craig Rhos-y-felin.

Wie schwer sind die Blausteine?

Die etwa 42 erhaltenen Blausteine wiegen jeweils rund zwei bis vier Tonnen. Der zentrale Altar Stone bringt sogar etwa sechs Tonnen auf die Waage.

Haben Gletscher die Steine nach Stonehenge transportiert?

Nein. Eine Curtin-Studie vom Januar 2026 fand in über 500 Zirkonkristallen aus Flusssedimenten der Salisbury Plain keinerlei Gletschersignatur. Die Steine wurden von Menschen bewegt.

Wie haben Menschen die Steine ohne Rad bewegt?

Auf hölzernen Schlitten über ausgelegte Bohlen, gezogen mit Seilen. Im UCL-Experiment bewegten zehn Personen eine Tonne mit etwa 1,6 km/h; für zwei Tonnen wären rund 20 nötig.

Woher stammt der Altar Stone von Stonehenge?

Aus dem Orcadian Basin im Nordosten Schottlands, rund 700 Kilometer entfernt. Die Hauptinsel von Orkney wurde als Quelle wieder ausgeschlossen, der genaue Steinbruch ist unbekannt.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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