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Baikalsee: Der tiefste, älteste und klarste See der Welt

Luftaufnahme des zugefrorenen Baikalsees im Winter mit türkis leuchtendem Eis und schneebedeckten Bergen

Ein einziger See in Sibirien hält drei Weltrekorde gleichzeitig: Der Baikalsee ist mit 1.642 Metern der tiefste See der Erde, mit über 25 Millionen Jahren der älteste – und so klar, dass man an guten Tagen bis zu 40 Meter tief hinabblicken kann. Kein anderes Gewässer vereint diese drei Superlative auf einmal.

Stimmt das wirklich?

Die Zahlen sind gut vermessen und unstrittig. Der Baikalsee liegt in Südsibirien nahe der mongolischen Grenze und übertrifft jeden anderen See der Welt in der Tiefe deutlich – der zweitplatzierte Tanganjikasee in Afrika kommt auf rund 1.470 Meter.

RekordWert
Maximale Tiefe1.642 Meter
Alterüber 25 Millionen Jahre
Sichttiefe im Wasserbis zu 40 Meter
Wasservolumenrund 23.600 km³
Anteil am flüssigen Süßwasser der Erdeetwa ein Fünftel

Besonders die Wassermenge macht schwindelig: In diesem einen See steckt etwa ein Fünftel des gesamten flüssigen, nicht gefrorenen Süßwassers unseres Planeten – mehr als in allen fünf nordamerikanischen Großen Seen zusammen.

Warum ist der Baikalsee so tief und so alt?

Der Grund liegt tief in der Erdkruste. Der Baikalsee ist ein sogenannter Grabenbruch- oder Riftsee: Genau hier driften die Eurasische und die Amurplatte auseinander. Die Erdkruste reißt auf, das Land dazwischen sinkt ab – und in dieser sich öffnenden Spalte sammelt sich seit Jahrmillionen Wasser.

Weil dieser Riss geologisch aktiv bleibt, wird der See nicht flacher, sondern der Boden sinkt immer weiter. Der eigentliche Graben ist unter dem Wasser noch viel tiefer und bis zu mehrere Kilometer hoch mit Sedimenten aufgefüllt. Anders als flache Seen, die in wenigen tausend Jahren verlanden, hat sich der Baikal so über Dutzende Jahrmillionen gehalten – daher das gewaltige Alter.

Warum ist das Wasser so unglaublich klar?

Die Klarheit ist kein Zufall, sondern harte Arbeit von Millionen winziger Helfer. Im See leben rund 230 Arten von Flohkrebsen (Amphipoden), die zusammen den Großteil der tierischen Biomasse ausmachen. Sie filtern das Wasser praktisch pausenlos, fressen abgestorbenes Material und Algen weg und halten das Wasser dadurch außergewöhnlich rein.

Dazu kommt: Der See ist so tief und kalt, dass sich sein Wasser gründlich durchmischt und sauerstoffreich bleibt – bis hinunter zum Grund. Das Ergebnis ist eine Sichttiefe, die eher an klares Meerwasser erinnert als an einen Binnensee.

Noch verrückter: eine Robbe mitten in Sibirien

Tausende Kilometer vom nächsten Meer entfernt lebt im Baikalsee eine eigene Robbenart – die Baikalrobbe oder Nerpa (Pusa sibirica). Sie ist die einzige Robbe der Welt, die ausschließlich im Süßwasser lebt. Wie ihre Vorfahren einst in diesen abgeschiedenen See kamen, ist bis heute nicht restlos geklärt.

Die Nerpa ist nur ein Beispiel für ein Naturphänomen, das Biologen fasziniert: Etwa zwei Drittel der rund 1.500 Tier- und 1.000 Pflanzenarten des Baikalsees kommen ausschließlich hier vor und nirgends sonst auf der Welt. Diese Isolation über Jahrmillionen hat den See zu einem eigenen Evolutionslabor gemacht – weshalb ihn die UNESCO 1996 zum Weltnaturerbe erklärte.

Der See, der langsam zum Ozean wird

Weil die Erdplatten weiter auseinanderdriften, wird der Baikalsee jedes Jahr ein kleines Stück breiter. Auf sehr lange Sicht – gemeint sind Jahrmillionen – könnte aus dem Graben ein neuer Ozean werden, so wie einst der Atlantik aus einem Kontinentalriss entstand.

Im Winter zeigt sich der See von seiner spektakulärsten Seite: Von etwa Mitte November bis Anfang Mai friert die Oberfläche komplett zu. Das Eis wird so dick, dass man mit dem Auto darüberfahren kann, und bildet dabei je nach Wetterlage klare, türkis leuchtende Schollen und meterlange Risse.

Quellen

  • Wikipedia: Baikalsee – Tiefe, Alter, Volumen, Geologie, endemische Arten, Vereisung
  • Wikipedia: Baikalrobbe – Nerpa als einzige reine Süßwasserrobbe
  • UNESCO World Heritage List – Lake Baikal (Weltnaturerbe seit 1996)

Häufige Fragen

Wie tief ist der Baikalsee?

Der Baikalsee ist mit einer maximalen Tiefe von 1.642 Metern der tiefste See der Erde – rund 170 Meter tiefer als der zweitplatzierte Tanganjikasee.

Warum ist der Baikalsee der älteste See der Welt?

Er liegt in einem aktiven Grabenbruch, wo die Erdplatten auseinanderdriften. Dadurch sinkt der Boden immer weiter und der See verlandet nicht – er besteht seit über 25 Millionen Jahren.

Warum ist das Wasser des Baikalsees so klar?

Rund 230 Arten winziger Flohkrebse filtern das Wasser fast pausenlos und fressen abgestorbenes Material weg. Zusammen mit der Tiefe und Kälte sorgt das für eine Sichttiefe von bis zu 40 Metern.

Welche Tiere leben nur im Baikalsee?

Etwa zwei Drittel seiner rund 1.500 Tier- und 1.000 Pflanzenarten sind endemisch. Das bekannteste Tier ist die Baikalrobbe (Nerpa) – die einzige Robbe der Welt, die ausschließlich im Süßwasser lebt.

Wie viel Wasser enthält der Baikalsee?

Rund 23.600 Kubikkilometer – etwa ein Fünftel des gesamten flüssigen Süßwassers der Erde und mehr als alle fünf nordamerikanischen Großen Seen zusammen.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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