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Elefanten-Infraschall: Die Sprache unter dem Hörbaren

Afrikanische Elefantenherde in der Savanne bei Abenddämmerung, ein großes Tier hebt aufmerksam den Kopf und spreizt die Ohren.

Eine Elefantenherde döst in der Mittagshitze der Savanne, als mehrere Tiere fast gleichzeitig den Kopf heben, die Ohren spreizen und sich in dieselbe Richtung drehen. Sekunden später setzt sich die Gruppe in Bewegung — auf ein Signal, das du nie gehört hättest. Genau das ist der Punkt: Elefanten reden in Frequenzen unterhalb deiner Hörschwelle. Diese tiefen Brummlaute, Infraschall genannt, liegen oft unter 20 Hertz und tragen durch Luft und sogar durch den Erdboden über viele Kilometer.

Stimmt das wirklich?

Ja, und der Befund ist gut dokumentiert. Die Grolllaute afrikanischer Elefanten liegen typischerweise zwischen 15 und 35 Hertz und erreichen Lautstärken von bis zu 117 Dezibel — kraftvoll genug, um über mehrere Kilometer zu tragen, für menschliche Ohren aber unhörbar. Die untere Grenze des menschlichen Gehörs liegt bei etwa 20 Hertz; alles darunter ist Infraschall.

Entdeckt hat dieses stille Sprechen die US-Biologin Katy Payne. 1984 stand sie im Washington Park Zoo in Portland nahe den Elefanten und spürte ein eigenartiges Pochen in der Luft — ein Flimmern, wie es tiefe Orgelpfeifen erzeugen. Sie schloss daraus, dass die Tiere Töne unterhalb der Hörschwelle abgaben. Spätere Aufnahmen in freier Wildbahn bestätigten es: Elefanten unterhalten ein ganzes Repertoire an Infraschall-Rufen.

Warum funktioniert das?

Zwei Dinge machen diese Fernsprache möglich. Erstens die Physik tiefer Töne: Je niedriger die Frequenz, desto weniger Energie verliert eine Schallwelle unterwegs und desto leichter beugt sie sich um Bäume, Hügel und Felsen herum, statt von ihnen geschluckt zu werden. Hohe Töne verhallen nach kurzer Strecke — tiefes Grollen läuft weiter.

Zweitens die Erzeugung selbst. Lange war unklar, ob Elefanten ihre tiefen Laute aktiv „singen“ oder nur passiv erzeugen. Ein internationales Forscherteam klärte das an der Universität Wien: Die Infraschall-Rufe entstehen auf dieselbe Weise wie die menschliche Stimme — vorbeiströmende Luft versetzt die Stimmlippen im Kehlkopf in Schwingung. Kein muskuläres Zucken, kein Trick, sondern dasselbe strömungsgetriebene Prinzip, mit dem auch wir sprechen und singen. Nur ist der Elefantenkehlkopf so groß, dass dabei tiefster Infraschall herauskommt.

Noch verrückter: Sie hören mit den Füßen

Ein Teil dieser tiefen Rufe bleibt nicht in der Luft. Beim Grollen koppelt der Schall an den Erdboden und läuft als seismische Welle weiter — Forschende konnten solche Bodensignale über Distanzen von rund 30 Kilometern nachweisen. Und Elefanten können sie offenbar empfangen: Ihre breiten, dick gepolsterten Füße wirken wie eingebaute Erschütterungssensoren. In Fußsohlen und Rüsselspitze sitzen druckempfindliche Tastkörperchen, die feinste Vibrationen registrieren; über die Knochen gelangt das Signal bis zum Innenohr. Die Pionierarbeit dazu stammt von der Biologin Caitlin O’Connell-Rodwell, die Elefanten beobachtete, wie sie sich beim „Lauschen“ mit nach vorn gerichteten Füßen versteiften.

Noch ein Detail aus der Savanne: Nach Sonnenuntergang kühlt der Boden schneller ab als die Luft darüber. Diese Temperaturschichtung wirkt wie ein akustischer Kanal, der die tiefen Rufe bündelt — und die Reichweite der Elefanten-Fernkommunikation in günstigen Nächten ungefähr verdreifacht. Es gibt also eine beste Sendezeit, und sie liegt im Dunkeln.

Was Forschung und Artenschutz davon haben

Weil sich Infraschall und Bodenwellen über große Strecken messen lassen, nutzen Schutzprojekte sie inzwischen praktisch. Seismische und akustische Sensoren können Elefantenrufe orten, Herden in unübersichtlichem Gelände verfolgen und sogar als Frühwarnung dienen — etwa um Wilderei zu erkennen oder Konflikte mit Dörfern zu entschärfen. Die Geheimsprache der Elefanten ist damit nicht nur eine Kuriosität, sondern ein Werkzeug, um die Tiere besser zu schützen.

Quellen

Häufige Fragen

Können Menschen Elefanten-Infraschall hören?

Nein. Die Grolllaute liegen oft unter 20 Hertz und damit unterhalb der menschlichen Hörschwelle. Man spürt sie höchstens als leichtes Pochen oder Vibrieren in der Luft.

Wie weit reicht die Infraschall-Kommunikation von Elefanten?

Durch die Luft tragen die Rufe mehrere Kilometer weit. Als seismische Bodenwelle wurden Signale über rund 30 Kilometer nachgewiesen. Nach Sonnenuntergang kann sich die Reichweite etwa verdreifachen.

Wie erzeugen Elefanten so tiefe Töne?

Auf dieselbe Weise wie die menschliche Stimme: Ausströmende Luft versetzt die Stimmlippen im Kehlkopf in Schwingung. Das belegte ein Forscherteam der Universität Wien. Der riesige Kehlkopf erzeugt dabei Infraschall.

Hören Elefanten wirklich mit den Füßen?

Teils ja. Bodenvibrationen nehmen sie über druckempfindliche Tastkörperchen in den dick gepolsterten Füßen und der Rüsselspitze auf; über die Knochen gelangt das Signal zum Innenohr.

Wer hat die Infraschall-Sprache der Elefanten entdeckt?

Die US-Biologin Katy Payne. 1984 spürte sie im Washington Park Zoo in Portland ein Pochen in der Luft und erkannte, dass Elefanten Töne unterhalb der menschlichen Hörschwelle abgeben.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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