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Schützenfisch: Wie er Beute mit dem Wasserstrahl abschießt

Schützenfisch schießt an der Wasseroberfläche einen Wasserstrahl nach oben auf ein Insekt an einem überhängenden Mangrovenblatt

Ein Fisch, der jagt, ohne das Wasser zu verlassen: Der Schützenfisch stellt sich fast senkrecht unter die Oberfläche und spuckt einen gebündelten Wasserstrahl nach oben. Er trifft damit Insekten, die auf überhängenden Blättern sitzen, und stößt sie ins Wasser. Gute Schützen landen aus rund zwei Metern einen Treffer — einzelne Exemplare erwischen wenige Zentimeter große Ziele sogar noch aus vier Metern Entfernung.

Stimmt das wirklich?

Ja — und der Fisch dahinter ist gar nicht groß. Der Bänder-Schützenfisch (Toxotes jaculatrix) wird nur etwa 20 Zentimeter lang und lebt bis zu zwölf Jahre. Zu Hause ist er im Brackwasser tropischer Mangroven und Lagunen, von der Küste des Roten Meeres über Indien und Südostasien bis nach Australien.

Seine Beute – Ameisen, Fliegen, kleine Käfer, gelegentlich sogar winzige Eidechsen – sitzt über der Wasserlinie, also außer Reichweite. Der Wasserstrahl löst das Problem. In der Praxis liegt die zuverlässige Schussweite bei etwa zwei Metern; besonders treffsichere Tiere holen wenige Zentimeter große Ziele aber noch aus vier Metern herunter. Dass die Art auch in Menschenhand funktioniert, zeigte die Stuttgarter Wilhelma 2011 mit der ersten dokumentierten Nachzucht.

Warum ist das so?

Der Trick steckt im Maul. Der Schützenfisch presst seine Zunge gegen eine Rinne am Gaumen und formt so einen engen Kanal – eine Art Gewehrlauf. Durch schlagartiges Zusammendrücken der Kiemendeckel schießt das Wasser durch die kleine Mundöffnung heraus. Diese Öffnung wirkt wie ein verstellbares Ventil: Zu Beginn spuckt der Fisch langsamer, das nachströmende Wasser folgt schneller und läuft dem ersten Schwung hinterher.

Der Effekt ist raffiniert: Der Strahl zieht sich unterwegs zu einem einzigen, dicken Tropfen zusammen, der sich erst kurz vor dem Ziel bildet. So bündelt sich die volle Wucht genau im Moment des Aufpralls statt sich über die Flugbahn zu verteilen. Der Fisch reguliert diese Dynamik allein über seine Mundform – nicht, wie eine technische Düse, über den Druck.

Bleibt ein zweites Problem: die Lichtbrechung. Wer von unten durchs Wasser nach oben schaut, sieht ein Ziel verschoben – nicht dort, wo es wirklich ist. Der Schützenfisch hält seine Augen beim Schuss unter Wasser und stellt sich möglichst steil auf, um den Brechungswinkel zwischen Wasser und Luft klein zu halten. Den verbleibenden Versatz gleicht er gelernt aus: Junge Fische treffen anfangs schlecht und werden mit Übung zu Scharfschützen.

Noch verrückter

Der Schützenfisch ist nicht nur präzise, sondern erstaunlich klug. Er unterscheidet echte Beute von Attrappen und passt die Wassermenge an die Größe des Ziels an, um keine Energie zu verschwenden. Fällt das getroffene Insekt, sagt er dessen Landepunkt voraus und schießt blitzschnell hin, bevor ein Artgenosse es schnappt – Nachbarn beobachten den Schützen und lernen sogar durchs Zusehen.

Am verblüffendsten ist ein Experiment von Forschenden der Universitäten Oxford und Queensland aus dem Jahr 2016: Trainierte Schützenfische lernten, einzelne menschliche Gesichter wiederzuerkennen. Sie spuckten das antrainierte Gesicht selbst zwischen 44 fremden Gesichtern in rund 81 Prozent der Fälle korrekt an – obwohl Fische kein Großhirn (Neocortex) besitzen, das man für so komplexe Gesichtserkennung lange für nötig hielt.

Quellen

Häufige Fragen

Wie weit kann ein Schützenfisch schießen?

Zuverlässig etwa zwei Meter. Besonders treffsichere Exemplare erwischen wenige Zentimeter große Ziele aber noch aus rund vier Metern Entfernung.

Was frisst der Schützenfisch?

Vor allem Insekten wie Ameisen, Fliegen und kleine Käfer, die auf überhängenden Blättern sitzen – gelegentlich auch winzige Eidechsen. Er schießt sie mit dem Wasserstrahl ins Wasser.

Wie gleicht der Schützenfisch die Lichtbrechung aus?

Er hält die Augen beim Schuss unter Wasser und stellt sich steil auf, um den Brechungswinkel klein zu halten. Den Rest gleicht er gelernt aus – junge Fische treffen erst mit Übung sicher.

Wie groß wird ein Schützenfisch?

Der Bänder-Schützenfisch (Toxotes jaculatrix) wird nur etwa 20 Zentimeter lang und kann bis zu zwölf Jahre alt werden.

Können Schützenfische menschliche Gesichter erkennen?

Ja. In einer Studie von 2016 lernten trainierte Schützenfische, ein bestimmtes Gesicht selbst zwischen 44 anderen in rund 81 Prozent der Fälle wiederzuerkennen – ganz ohne Großhirn.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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