Jahrzehntelang lautete die Antwort glasklar: In rund vier Milliarden Jahren kracht unsere Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie zusammen. Doch eine Simulationsstudie aus dem Jahr 2025 hat diese Gewissheit gekippt. Ob die beiden Sterneninseln überhaupt kollidieren, ist heute fast ein Münzwurf – und falls doch, dann sehr viel später, als man lange dachte.
Stimmt das wirklich? Die Zahlen im Überblick
Andromeda (Fachname M31) ist die große Nachbargalaxie der Milchstraße, rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Sie ist eine der wenigen Galaxien, die sich auf uns zu bewegt: mit etwa 100 Kilometern pro Sekunde nähert sie sich unaufhaltsam. Aus dieser Bewegung stammt die berühmte Vorhersage einer Kollision.
Die entscheidende Frage ist aber nicht nur, wie schnell sich Andromeda nähert, sondern wie sie seitlich versetzt ist. Genau diese Seitwärtsbewegung ließ sich lange kaum messen – und sie entscheidet über Treffer oder knappes Vorbeiziehen.
| Szenario | Quelle / Jahr | Ergebnis |
|---|---|---|
| Direkter Frontalzusammenstoß | Hubble-Studie, 2012 | Kollision in rund 4 Milliarden Jahren – galt als so gut wie sicher |
| 100.000 neue Simulationen | Nature Astronomy, 2025 | nur ~2 % Kollisionswahrscheinlichkeit in den nächsten 5 Milliarden Jahren |
| Langer Zeithorizont | Nature Astronomy, 2025 | etwa 50 % Wahrscheinlichkeit innerhalb von 10 Milliarden Jahren |
Warum verschmelzen Galaxien überhaupt?
Galaxien ziehen sich durch ihre Schwerkraft an – vor allem über die gewaltigen Mengen unsichtbarer Dunkler Materie, in die sie eingebettet sind. Kommen sich zwei Sterneninseln nahe genug, bremsen sie sich gegenseitig aus, umkreisen einander in immer engeren Bögen und verschmelzen schließlich zu einer einzigen, meist elliptischen Galaxie.
Das Verblüffende daran: Bei einer solchen Verschmelzung stoßen so gut wie keine Sterne zusammen. Die Abstände zwischen ihnen sind riesig – würde man die Sonne auf die Größe einer Orange schrumpfen, läge der nächste Stern über 2.000 Kilometer entfernt. Die Galaxien durchdringen sich also eher wie zwei ineinandergeworfene Vogelschwärme, als dass sie krachen. Was sich verändert, sind die Bahnen: Sterne werden auf neue Umlaufwege geschleudert, aus zwei Spiralen wird ein diffuser Sternball.
Warum die Kollision plötzlich unsicher ist
Ein Team um den Astrophysiker Till Sawala von der Universität Helsinki rechnete 2025 rund 100.000 Simulationen durch – gefüttert mit hochpräzisen Messdaten der Weltraumteleskope Gaia (ESA) und Hubble (NASA). Neu war: Die Forschenden bezogen erstmals den Einfluss zweier Begleitgalaxien mit ein.
Der Schlüsselakteur ist die Große Magellansche Wolke, eine kleine Nachbargalaxie in etwa 160.000 Lichtjahren Entfernung. Ihre Schwerkraft zerrt die Milchstraße seitlich – gerade so, dass wir Andromeda in den meisten Rechnungen knapp verfehlen. Sie senkt die Kollisionswahrscheinlichkeit für die nächsten fünf Milliarden Jahre um rund 98 Prozent. Die Dreiecksgalaxie M33 zieht dagegen in die andere Richtung und erhöht das Risiko wieder ein wenig. Unterm Strich bleibt statt einer Gewissheit ein offenes Rennen.
Wichtig: „Absage“ heißt das nicht. Selbst wenn ein direkter Treffer ausbleibt, kommen sich beide Galaxien bei ihren Bahnen so nah, dass sie in acht bis zehn Milliarden Jahren wohl doch verschmelzen – nur eben deutlich später und weniger frontal als im alten Bild.
Noch verrückter: Was aus Sonne und Erde wird
Wer sich vor dem galaktischen Crash fürchtet, kann beruhigt sein – aus einem unerwarteten Grund. Bis zu einer möglichen Verschmelzung wird unsere Sonne nämlich selbst zum Problem. In etwa fünf Milliarden Jahren bläht sie sich zum Roten Riesen auf und verschlingt womöglich die inneren Planeten. Und schon lange vorher, in rund einer Milliarde Jahre, wird die Erde durch die stetig heller werdende Sonne unbewohnbar. Der Zusammenstoß der Galaxien fällt also mit dem Ende unseres Sonnensystems zusammen – erleben würde ihn niemand mehr.
Für den Fall, dass es doch zur großen Verschmelzung kommt, haben Astronomen der künftigen Galaxie schon einen Namen gegeben: „Milkomeda“ (aus Milky Way und Andromeda), gelegentlich auch „Milkdromeda“. Statt zweier eleganter Spiralen wäre das dann ein einziger, rundlicher Sternhaufen – ein neues Zuhause, das keiner von uns je sehen wird.
Quellen
- Welt der Physik: Droht der Milchstraße eine Kollision? (2025)
- astronews.com: Entgeht die Milchstraße einer Kollision mit der Andromedagalaxie? (2025)
- Sawala et al., Nature Astronomy (2025) – 100.000 Simulationen mit Gaia- und Hubble-Daten
- Wikipedia: Andromeda-Milchstraßen-Kollision
Häufige Fragen
Wann kollidieren Milchstraße und Andromeda?
Lange galt eine Kollision in rund 4 Milliarden Jahren als sicher. Eine Studie von 2025 sieht dagegen nur etwa 50 Prozent Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten 10 Milliarden Jahre – und nur rund 2 Prozent in den nächsten 5 Milliarden Jahren.
Warum ist die Kollision heute unsicher?
Neue Simulationen mit Gaia- und Hubble-Daten beziehen erstmals die Große Magellansche Wolke ein. Ihre Schwerkraft lenkt die Milchstraße leicht seitlich ab, sodass wir Andromeda in den meisten Rechnungen knapp verfehlen.
Würde die Erde eine Galaxienkollision überleben?
Die Frage stellt sich kaum: Schon in etwa 1 Milliarde Jahren wird die Erde durch die heller werdende Sonne unbewohnbar, in rund 5 Milliarden Jahren bläht sich die Sonne zum Roten Riesen auf – lange vor einer möglichen Verschmelzung.
Stoßen bei einer Galaxienkollision Sterne zusammen?
Praktisch nie. Die Abstände zwischen Sternen sind gigantisch. Die Galaxien durchdringen sich eher wie zwei ineinandergeworfene Vogelschwärme; nur die Umlaufbahnen der Sterne verändern sich.
Wie heißt die Galaxie, die aus der Verschmelzung entstünde?
Astronomen nennen das mögliche Verschmelzungsprodukt „Milkomeda“ (aus Milky Way und Andromeda), gelegentlich auch „Milkdromeda“ – eine große, eher rundliche elliptische Galaxie.
