Über dir hängen plötzlich Dutzende prall gefüllte Säcke vom Wolkenhimmel, rund und schwer, als hätte jemand eine riesige Luftpolsterfolie über den Horizont gespannt. Diese Beulen haben einen Namen: Mammatus-Wolken. Und anders als ihr bedrohlicher Anblick vermuten lässt, kündigen sie meist kein Unwetter an, sondern verraten, dass das Schlimmste schon vorbei ist.
Stimmt das wirklich? Beutel von einem Kilometer, sichtbar nur Minuten
Ja. Mammatus sind beutelartige Ausstülpungen, die an der Unterseite einer Wolke nach unten hängen, statt wie üblich nach oben zu quellen. Am häufigsten bilden sie sich am Amboss eines Gewitters, dem flach auslaufenden Eisschirm eines Cumulonimbus. Jeder einzelne Beutel misst grob einen Kilometer in der Breite. Das Schauspiel ist dabei extrem kurzlebig: Oft sind die Strukturen nur rund zehn Minuten sichtbar, dann lösen sie sich wieder auf.
Beobachten lassen sie sich nicht nur am Gewitteramboss. Mammatus treten auch an Cirrus-, Cirrocumulus-, Altocumulus-, Altostratus- und Stratocumuluswolken auf, und sogar an den Aschewolken ausbrechender Vulkane wurden sie schon dokumentiert.
Warum hängen diese Wolken nach unten statt nach oben?
Normale Quellwolken entstehen, weil warme, feuchte Luft aufsteigt. Bei Mammatus passiert das Gegenteil, eine Art umgekehrte Konvektion. Wie genau, ist bis heute nicht abschließend geklärt; Meteorologinnen und Meteorologen arbeiten mit mehreren Theorien.
Die gängigste ist die Verdunstungstheorie: Niederschlag fällt aus einer feuchten Wolkenschicht in deutlich trockenere Luft darunter. Dort verdunsten die Tropfen und entziehen der Umgebung Wärme. Die abgekühlte Luft wird schwerer als ihre Umgebung, sinkt ab und beult die Wolkenunterseite nach unten aus, eben zu den typischen Säcken. Daneben gibt es die Strahlungstheorie, nach der die Wolkenoberseite Wärme abstrahlt und so absinkende Luftpakete erzeugt, sowie die Idee absinkender Kaltluftblasen im vereisten Amboss. Keine dieser Theorien gilt für sich allein als bewiesen, vermutlich wirken mehrere Mechanismen zusammen.
Eines verbindet alle Erklärungen: Mammatus brauchen kräftige Gegensätze. Große Unterschiede in Temperatur, Feuchte und Windgeschwindigkeit, also Instabilität und Windscherung, sind die Voraussetzung dafür, dass der Himmel überhaupt Beulen wirft.
Noch verrückter: Der Name kommt vom Euter und die schönsten erscheinen im Abendrot
Mammatus klingt technisch, ist aber erstaunlich anschaulich. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort mamma, also Brust oder Euter, weil die runden Beutel genau so aussehen, wie sie nach unten hängen. Es ist eine der wenigen Wolkenformen, deren Name die Form direkt beschreibt.
Ihr schlechter Ruf ist obendrein ein Missverständnis. Viele halten die dunklen Beulen für Vorboten eines Unwetters, dabei zeigen sie sich meist erst nach einem starken Schauer oder Gewitter, an der Rückseite der abziehenden Wolke. Wer sie sieht, blickt also oft auf das Ende des Spektakels, nicht auf seinen Anfang. Und wenn die Sonne dann tief steht, beleuchtet sie die Beutel von der Seite und taucht den ganzen Himmel in Orange und Rot. Genau diese Kombination aus drohender Struktur und warmem Abendlicht macht Mammatus zu einem der fotogensten Wetterphänomene überhaupt.
Quellen
- wetterdienst.de: Rätselhafte „Mammatus“
- Wetterzentrum NRW: Mammatuswolken, Erscheinungsbild und Entstehungstheorie
- Deutsche Meteorologische Gesellschaft: Woher kommt der Name Mammatuswolke?
Häufige Fragen
Sind Mammatus-Wolken gefährlich?
Die Wolken selbst sind ungefährlich. Sie erscheinen meist erst nach einem Gewitter an der abziehenden Wolke und zeigen eher an, dass das Unwetter bereits vorüber ist.
Wie entstehen Mammatus-Wolken?
Vermutlich durch eine umgekehrte Konvektion: Verdunstender Niederschlag kühlt Luft ab, sie wird schwerer, sinkt ab und beult die Wolkenunterseite zu Säcken aus. Die genaue Ursache ist noch nicht abschließend geklärt.
Woher kommt der Name Mammatus?
Vom lateinischen Wort mamma für Brust oder Euter, weil die runden Beutel genau so an der Wolkenunterseite hängen.
Wie lange sind Mammatus-Wolken sichtbar?
Meist nur etwa zehn Minuten. Bleibt der Niederschlag aus, der sie speist, lösen sich die Beutel schnell wieder auf.
Kündigen Mammatus-Wolken ein Unwetter an?
Nein, das ist ein verbreitetes Missverständnis. Sie treten typischerweise nach einem starken Schauer oder Gewitter auf, nicht davor.
