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Dallol: der heißeste bewohnte Ort der Erde

Leuchtend grüne und gelbe Säuretümpel mit rostroten Salzkrusten im Hydrothermalfeld von Dallol in der Danakil-Senke

In der Danakil-Senke im Norden Äthiopiens liegt ein Ort, dessen Jahresdurchschnittstemperatur bei 34,6 Grad Celsius liegt — nicht die Spitze eines einzelnen Hitzetags, sondern der Mittelwert über zwölf Monate. Dallol gilt damit als der heißeste dauerhaft bewohnte Ort der Erde. Ringsum leuchten giftgrüne, schwefelgelbe und rostrote Tümpel, deren Wasser saurer ist als jede Autobatterie.

Stimmt das wirklich?

Ja, und die Zahlen sind gut dokumentiert. Zwischen 1960 und 1966 wurde in Dallol eine mittlere Jahrestemperatur von 34,6 °C gemessen — der höchste bekannte Wert für einen bewohnten Ort. Das durchschnittliche Tageshoch liegt bei 41,2 °C, im heißesten Monat klettert es im Mittel auf 46,7 °C, und der Rekordwert erreichte 49 °C.

Der Ort liegt rund 130 Meter unter dem Meeresspiegel in der Afar-Senke, einer der tiefsten Landstellen der Erde. Genau diese Lage in einem Kessel ohne Höhe, ohne Meeresbrise und ohne Wolken macht die Hitze so gnadenlos konstant.

Warum ist das so?

Dallol ist kein normaler Wüstenort, sondern ein aktives Hydrothermalfeld über einer vulkanischen Kammer. Aus dem Boden dringt heißes, mineralreiches Wasser — die Quellen erreichen über 108 °C. Beim Verdunsten kristallisieren Salze aus und bauen die bizarren Terrassen, Schlote und Becken auf, die den Ort wie eine fremde Welt wirken lassen.

Die grellen Farben stammen nicht von Leben, sondern von reiner Chemie: Eisen, das an der Luft oxidiert, färbt die Ränder ocker, braun und rot; Schwefel und Kaliumsalze liefern das Gelb und Grün. Das Wasser mancher Becken hat einen pH-Wert unter null — hypersauer — und ist zugleich fast zehnmal salziger als Meerwasser. Im Untergrund lagern große Mengen Kalisalz, dazu Minerale wie Halit, Jarosit, Hämatit und Carnallit.

Noch verrückter

Lange galt Dallol als Musterbeispiel dafür, dass Leben überall Wege findet. Eine 2019 in Nature Ecology & Evolution veröffentlichte Studie drehte das um: In den heißesten, sauersten und salzigsten Tümpeln fanden Forscher keinerlei Leben — nicht einmal Mikroben. Zwei chemische Barrieren machen Zellen dort unmöglich: die Kombination aus extremer Säure und Salz sowie sogenannte chaotrope Magnesiumsalze, die biologische Moleküle regelrecht zersetzen.

Nur wenige Meter weiter, in den Salzwüsten und Canyons ringsum, wimmelt es dagegen von salzliebenden Archaeen. Genau dieser Kontrast macht Dallol für die Astrobiologie so wertvoll: Der Ort dient als irdisches Modell für den Mars und hilft zu verstehen, wo die absolute Grenze des Lebens verläuft.

Und die Menschen? Trotz allem ist die Danakil-Senke seit Jahrhunderten Heimat des Afar-Volkes. Mit Kamelkarawanen brechen sie Salzplatten aus dem ausgetrockneten Seeboden und handeln damit — eine der härtesten Formen von Arbeit auf diesem Planeten. Ein phreatischer Ausbruch riss 1926 einen 30 Meter breiten Krater auf, die jüngsten Aktivitätszeichen stammen von Januar 2011. Dallol lebt also weiter.

Quellen

Häufige Fragen

Warum ist Dallol der heißeste bewohnte Ort der Erde?

Zwischen 1960 und 1966 lag die mittlere Jahrestemperatur bei 34,6 °C — der höchste bekannte Wert für einen bewohnten Ort. Die Lage rund 130 Meter unter dem Meeresspiegel ohne Meeresbrise hält die Hitze konstant.

Warum leuchten die Tümpel von Dallol so bunt?

Die Farben stammen aus reiner Chemie, nicht aus Leben: oxidiertes Eisen färbt die Ränder ocker bis rot, Schwefel und Kaliumsalze liefern Gelb und Grün.

Kann in den Säuretümpeln von Dallol Leben existieren?

Nein. Eine Studie von 2019 fand in den hypersauren, salzigen Becken keinerlei Mikroben. Säure-Salz-Kombination und chaotrope Magnesiumsalze machen Leben dort unmöglich. In der Wüste ringsum leben jedoch salzliebende Archaeen.

Wie sauer und salzig ist das Wasser in Dallol?

Manche Becken haben einen pH-Wert unter null — hypersauer — und sind zugleich fast zehnmal salziger als Meerwasser. Die Quellen erreichen über 108 °C.

Lebt in der Danakil-Senke trotzdem jemand?

Ja, das Afar-Volk lebt seit Jahrhunderten in der Region und bricht mit Kamelkarawanen Salzplatten aus dem Seeboden, um damit zu handeln.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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