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Der Giant’s Causeway: 40.000 Basaltsäulen und die Riesen-Legende

Sechseckige Basaltsäulen des Giant's Causeway an der nordirischen Küste im Abendlicht, die ins Meer hinabführen

An der Nordküste Nordirlands schiebt sich ein steinernes Kopfsteinpflaster ins Meer: rund 40.000 Basaltsäulen, dicht an dicht, die meisten davon exakt sechseckig. Gebaut hat sie kein Riese, sondern erkaltende Lava vor etwa 60 Millionen Jahren. Als der glühende Basalt erstarrte, schrumpfte er – und riss dabei in ein fast perfektes Wabenmuster. Der Giant’s Causeway ist kein Märchen aus Stein, sondern Physik zum Anfassen.

Stimmt das wirklich?

Ja – und die Zahlen sind gut dokumentiert. Der Giant’s Causeway liegt an der Küste von County Antrim in Nordirland und besteht aus etwa 40.000 ineinandergreifenden Basaltsäulen. Seit 1986 gehört er zum UNESCO-Welterbe, seit 1987 ist er Naturschutzgebiet. Rund eine Million Menschen besuchen ihn jedes Jahr.

MerkmalWert
Anzahl der Säulenca. 40.000
Alterca. 50–60 Millionen Jahre (Paläozän)
Häufigste FormSechseck (auch 4-, 5-, 7- und 8-seitig)
Durchmesser einer Säuleca. 38–51 cm
Höchste Säulenbis zu 12 m
StatusUNESCO-Welterbe seit 1986

Die Säulen sind kein Ergebnis von Erosion oder Menschenhand, sondern ein Lehrbuchbeispiel für die sogenannte Säulenabsonderung (columnar jointing) – ein Phänomen, das die Vulkanologie als Wissenschaft mitgeprägt hat. 2022 nahm die Internationale Union der Geowissenschaften den Ort deshalb in ihre Liste der 100 bedeutendsten Geo-Erbe-Stätten der Welt auf.

Warum ist das so?

Vor rund 60 Millionen Jahren, als sich Europa und Nordamerika langsam voneinander lösten, drang flüssige Lava durch Risse in der Erdkruste an die Oberfläche und bildete ausgedehnte Basaltdecken. Entscheidend für die Säulen war die Art, wie diese Lava abkühlte.

Heißer Basalt kristallisiert bei etwa 980 °C zu festem Gestein. Kühlt er weiter ab, zieht er sich zusammen – und weil Gestein Zug schlecht verträgt, reißt es. Untersuchungen zeigen, dass Basalt genau dann bricht, wenn er rund 90 bis 140 °C unter die Kristallisationstemperatur fällt. Die Risse beginnen an der Oberfläche wie in eintrocknendem Schlamm und wandern dann senkrecht nach unten in die abkühlende Schicht hinein.

Warum ausgerechnet Sechsecke? Das ist die energetisch günstigste Lösung: Ein Sechseck-Netz teilt eine Fläche mit dem geringsten Rissaufwand in gleich große Stücke. Deshalb dominiert diese Form, während Fünf- oder Siebenecke die Ausnahmen bleiben – dort, wo die Abkühlung unregelmäßiger verlief. Zwischen den einzelnen Segmenten einer Säule bildeten sich sogar Kugel-Pfannen-Gelenke: Die Säulen sehen aus, als wären sie aus einzelnen Steinen aufeinandergestapelt.

Noch verrückter: der Riese, der die Brücke baute

Den Namen verdankt der Ort einer Sage. Der irische Riese Fionn mac Cumhaill – im Englischen Finn McCool – soll die Säulen als Damm ins Meer geworfen haben, um den schottischen Riesen Benandonner zum Kampf zu stellen. Als Finn merkte, dass sein Rivale weit größer war, verkleidete ihn seine Frau als Baby. Benandonner sah das riesige „Kind“, schloss entsetzt auf die Größe des Vaters und floh zurück nach Schottland – und riss dabei den Damm hinter sich ein.

Das Verblüffende: Die Sage trifft einen geologischen Kern. Auf der schottischen Insel Staffa, in der berühmten Fingalshöhle, stehen exakt dieselben sechseckigen Basaltsäulen – sie stammen aus demselben uralten Lavastrom. Die Menschen der Antike sahen also auf beiden Seiten der See dasselbe Muster und erklärten die „Brücke“ mit einem Riesen, lange bevor jemand von Plattentektonik wusste.

Verwandte Fakten

  • Ähnliche Basaltsäulen gibt es weltweit – etwa den Devils Postpile in Kalifornien oder die Säulen am Svartifoss-Wasserfall auf Island.
  • Die Fingalshöhle inspirierte die Musik: Felix Mendelssohn schrieb nach einem Besuch seine berühmte Hebriden-Ouvertüre.
  • Der höchste Punkt der Anlage, der „Giant’s Organ“, ist eine Reihe rund 12 Meter hoher Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern.

Quellen

Häufige Fragen

Wie sind die Basaltsäulen am Giant’s Causeway entstanden?

Durch abkühlende Lava vor rund 60 Millionen Jahren: Beim Erstarren zog sich der Basalt zusammen und riss in ein sechseckiges Muster, das nach unten in Säulen wuchs.

Warum sind die Säulen sechseckig?

Das Sechseck teilt eine Fläche mit dem geringsten Rissaufwand in gleich große Stücke – es ist die energetisch günstigste Form beim gleichmäßigen Abkühlen und Schrumpfen des Gesteins.

Wie viele Säulen hat der Giant’s Causeway?

Rund 40.000 ineinandergreifende Basaltsäulen, die meisten davon sechseckig, einige mit vier bis acht Seiten.

Wo liegt der Giant’s Causeway?

An der Nordküste Nordirlands in der Grafschaft County Antrim. Seit 1986 ist er UNESCO-Welterbe, seit 1987 Naturschutzgebiet.

Was hat die Riesen-Legende mit Schottland zu tun?

Dieselben Säulen finden sich in der Fingalshöhle auf der schottischen Insel Staffa – beide aus demselben Lavastrom, was die Sage von der Riesenbrücke inspirierte.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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