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Photischer Niesreflex: Warum manche in der Sonne niesen

Junge Frau tritt aus dem Schatten in grelles Sonnenlicht, kneift die Augen zusammen und muss niesen.

Du trittst aus dem abgedunkelten Wohnzimmer in den grellen Mittag – und musst sofort niesen, einmal, zweimal, wie auf Kommando. Schuld ist nicht der Staub in der Luft, sondern dein eigenes Gehirn: Beim photischen Niesreflex verwechselt es einen Schwall Sonnenlicht mit einem Kitzeln in der Nase. Etwa jeder Vierte trägt diese Verdrahtung in sich – vererbt, harmlos und seit der Antike ein Rätsel.

Stimmt das wirklich? Jeder Vierte niest im Licht

Ja, und der Effekt hat sogar einen Namen mit Augenzwinkern: ACHOO-Syndrom, kurz für Autosomal Dominant Compelling Helio-Ophthalmic Outbursts of Sneezing – also etwa „erbliche, zwingende Nies-Ausbrüche durch Sonnenlicht“. Schätzungen schwanken, weil viele Betroffene den Reflex gar nicht bewusst bemerken:

  • 17 bis 35 Prozent der Menschen zeigen den Reflex in unterschiedlicher Stärke.
  • Eine genetische Studie an 3.417 Personen in China fand eine Häufigkeit von 25,6 Prozent – also rund einem Viertel.
  • Frauen sind unter den Betroffenen leicht in der Überzahl.
  • Der Reflex wird autosomal-dominant vererbt: Eine Genvariante von einem Elternteil reicht, um ihn weiterzugeben.

Wer also einen niesenden Sonnenanbeter in der Familie hat, niest mit guter Wahrscheinlichkeit selbst mit.

Warum ist das so? Zwei Nerven, die zu eng beieinander liegen

Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine Art Verdrahtungsfehler im Kopf. Der Sehnerv und der Drillingsnerv (Nervus trigeminus, der fünfte Hirnnerv) verlaufen bei manchen Menschen ungewöhnlich dicht nebeneinander. Trifft plötzlich viel Licht ins Auge, feuert der Sehnerv ein Gewitter aus Signalen – und ein Teil davon springt auf den benachbarten Trigeminusnerv über.

Dieser Nerv ist unter anderem für das Gefühl in der Nasenschleimhaut zuständig. Das Gehirn liest die übergesprungenen Signale also als „Reizung in der Nase“ – und löst prompt den Niesreflex aus, obwohl in der Nase nichts passiert ist. Entscheidend ist dabei die Intensität des Lichts, nicht seine Farbe oder Wellenlänge.

Zwei Details machen den Reflex besonders eigenwillig:

  • Die meisten Betroffenen niesen zwei- bis dreimal in Folge, oft innerhalb von rund 20 Sekunden.
  • Sonnenbrillen helfen nur bedingt – entscheidend ist der plötzliche Hell-Dunkel-Wechsel, nicht die absolute Helligkeit.

Noch verrückter: Aristoteles, Francis Bacon und ein Gen namens rs10427255

Das Niesen im Sonnenlicht beschäftigt kluge Köpfe seit über 2.000 Jahren. In den dem Aristoteles zugeschriebenen Schriften wird die Wärme der Sonne als Auslöser vermutet. Der englische Gelehrte Francis Bacon widerlegte das um 1626 mit einem simplen Test: Er stellte sich mit geschlossenen Augen in die Sonne – und musste nicht niesen. Also konnte es nicht die Wärme sein, sondern das Licht, das durch die Augen fällt.

Die moderne Genetik holte das Rätsel schließlich ins Labor. Eine groß angelegte Studie des Gentest-Anbieters 23andMe verknüpfte den Reflex 2010 mit einer Genvariante an der Stelle rs10427255 auf Chromosom 2. Eine spätere Untersuchung in China bestätigte diesen Marker und entdeckte mit rs1032507 einen zweiten genetischen Hotspot. Der Lichtnieser steckt also wirklich in den Genen.

Ganz folgenlos ist die Marotte nicht: Als kleines Risiko gilt sie dort, wo ein plötzlicher Lichtwechsel und Konzentration zusammentreffen – etwa bei der Ausfahrt aus einem dunklen Tunnel oder im Cockpit von Kampfpiloten, wo ein unkontrollierter Nieser in einer kritischen Flugphase stören kann.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist der photische Niesreflex?

Der photische Niesreflex (ACHOO-Syndrom) ist ein angeborener Reflex, bei dem manche Menschen niesen müssen, sobald sie plötzlich hellem Licht wie Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Wie viele Menschen niesen, wenn sie in die Sonne schauen?

Schätzungen reichen von 17 bis 35 Prozent. Eine genetische Studie ermittelte eine Häufigkeit von rund 25,6 Prozent – also etwa jeder Vierte.

Ist der photische Niesreflex vererbbar?

Ja. Er wird autosomal-dominant vererbt. Eine entsprechende Genvariante eines Elternteils reicht aus, damit das Merkmal weitergegeben wird.

Warum niest man bei hellem Licht?

Vermutlich liegen Sehnerv und Trigeminusnerv zu eng beieinander. Starke Lichtsignale springen auf den Nasennerv über, und das Gehirn deutet das fälschlich als Reiz in der Nase.

Ist der photische Niesreflex gefährlich?

In der Regel nicht. Er gilt nur dort als kleines Risiko, wo plötzliche Lichtwechsel und Konzentration zusammentreffen, etwa bei der Tunnelausfahrt oder im Cockpit.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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