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Vulkanblitze: Wie aus Asche ein Gewitter wird

Vulkanblitze zucken in einer dunklen Aschewolke über einem ausbrechenden Vulkan bei Nacht

Mitten in einer kilometerhohen Eruptionssäule, über glühender Lava, zucken plötzlich Blitze – obwohl weit und breit keine Gewitterwolke steht. Genau das sind Vulkanblitze. Sie entstehen, weil sich winzige Aschepartikel beim Aufstieg elektrisch aufladen und schlagartig wieder entladen. Es ist ein echtes Gewitter, nur besteht die Wolke aus zerrissenem Gestein statt aus Regentropfen.

Stimmt das wirklich?

Ja, und der Effekt kann gewaltige Ausmaße annehmen. Beim Unterwasser-Ausbruch des Hunga Tonga im Pazifik am 15. Januar 2022 zählten Forschende rund 200.000 Blitze in der Aschewolke – in der Spitze mehr als 2.600 Entladungen pro Minute. Das war das intensivste Blitzgewitter, das je gemessen wurde, und mehr als das Doppelte des vorherigen Rekords von 993 Blitzen pro Minute aus einem US-Gewitter im Jahr 1999.

Solche „schmutzigen Gewitter“ treten typischerweise bei starken, explosiven Eruptionen auf, deren Aschewolken über zehn Kilometer hoch aufsteigen. Schwächere Ausbrüche erzeugen oft nur vereinzelte Funken nahe dem Krater.

Warum ist das so?

Damit ein Blitz zuckt, müssen sich positive und negative Ladungen erst voneinander trennen. In einer Aschewolke passiert das auf mehreren Wegen gleichzeitig:

  • Fraktoemission: Wird das Magma bei der Explosion zerrissen, entstehen frische Bruchflächen, die elektrisch geladen sind.
  • Triboelektrischer Effekt: Die Aschepartikel reiben und stoßen im Aufwind permanent aneinander und tauschen dabei Ladung aus – vergleichbar mit einem Luftballon, den man an den Haaren reibt.
  • Eis-Aufladung: Steigt die Wolke hoch genug, gefriert mitgerissenes Wasser zu Eiskristallen, die sich wie in einem normalen Gewitter aufladen.

Laborversuche zeigen etwas Überraschendes: Wie viele Blitze entstehen, hängt kaum von der chemischen Zusammensetzung der Asche ab, sondern vor allem von der Korngröße. Je feiner die Partikel, desto mehr Reibungsflächen – und desto häufiger blitzt es.

Noch verrückter

Beim Hunga Tonga kam ein Sonderfall hinzu: Weil der Vulkan unter Wasser ausbrach, verdampften gewaltige Mengen Meerwasser. Schätzungen zufolge schleuderte die Eruption 50 bis 150 Millionen Tonnen Wasserdampf bis in die Stratosphäre. Die daraus entstehenden Eiskristalle befeuerten die Eis-Aufladung – ein Hauptgrund für die extreme Blitzdichte.

EruptionJahrBesonderheit
Hunga Tonga (Tonga)2022~200.000 Blitze, Spitze 2.600/Minute – Weltrekord
Eyjafjallajökull (Island)2010Aschewolke legte den europäischen Flugverkehr lahm
Lewotobi Laki-Laki (Indonesien)202518 Kilometer hohe Aschewolke

Aus dem Spektakel wird sogar Wissenschaft mit Nutzen: Antennen rund um aktive Vulkane registrieren die Blitze in Echtzeit. Weil kleinere Aschepartikel mehr Entladungen auslösen und zugleich länger in der Luft schweben, lassen die Blitzmuster Rückschlüsse auf die Aschegröße zu – wertvoll für die Frühwarnung im Flugverkehr, lange bevor die Wolke eine Flugroute erreicht.

Quellen

Häufige Fragen

Wie entstehen Vulkanblitze?

Aschepartikel laden sich beim Aufstieg elektrisch auf – durch Reibung (triboelektrischer Effekt), das Zerreißen des Magmas (Fraktoemission) und in großer Höhe durch Eiskristalle. Die getrennten Ladungen entladen sich als Blitz.

Sind Vulkanblitze echte Blitze?

Ja. Es sind echte elektrische Entladungen wie bei einem Gewitter – nur besteht die Wolke aus Vulkanasche und Gestein statt aus Regentropfen.

Welcher Vulkanausbruch hatte die meisten Blitze?

Der Unterwasser-Ausbruch des Hunga Tonga 2022 mit rund 200.000 Blitzen und in der Spitze über 2.600 Entladungen pro Minute – das intensivste je gemessene Blitzgewitter.

Wovon hängt ab, wie stark es in einer Aschewolke blitzt?

Vor allem von der Korngröße der Asche: Je feiner die Partikel, desto mehr Reibungsflächen und desto häufiger blitzt es. Auch die Höhe der Wolke und der Wassergehalt spielen eine Rolle.

Sind Vulkanblitze gefährlich?

Für Menschen in sicherer Entfernung kaum. Gefährlich ist vor allem die Aschewolke selbst für den Flugverkehr – die Blitze helfen hier sogar bei der Frühwarnung.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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