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Atacama: der trockenste Ort der Erde

Ausgetrocknete, rissige Salzebene der Atacama-Wüste mit fernen Anden-Vulkanen unter wolkenlosem Himmel

Es gibt in der Atacama-Wüste Wetterstationen, die seit Beginn der Aufzeichnungen keinen einzigen Tropfen Regen gemeldet haben. Im Kern dieser Küstenwüste im Norden Chiles fallen im Schnitt nur etwa 0,5 Millimeter Niederschlag pro Jahr – das macht die Atacama zum trockensten Ort der Erde außerhalb der Polargebiete. Manche Ecken sind seit Millionen von Jahren praktisch komplett niederschlagsfrei.

Stimmt das wirklich?

Ja, und die Zahlen sind schwindelerregend. Der zentrale Bereich der Atacama ist seit mindestens 15 Millionen Jahren hyperarid, also durchgehend extrem trocken. Zum Vergleich: In Mitteleuropa fallen jährlich 700 bis 1.000 Millimeter Regen. In der Atacama sind es an den trockensten Stellen im langjährigen Mittel etwa 0,5 Millimeter – das ist weniger als ein feuchter Morgentau.

Die Wüste zieht sich über rund 1.200 Kilometer entlang der Pazifikküste. In den Zwischentälern klettert das Thermometer tagsüber auf 30 Grad und fällt nachts auf bis zu minus 15 Grad. Für Klimaforscher ist die Atacama deshalb ein Extrem-Labor: Wo sonst lässt sich Trockenheit in Reinform beobachten?

Warum regnet es hier praktisch nie?

Drei Kräfte arbeiten hier zusammen und riegeln jede Feuchtigkeit ab:

  • Der Regenschatten der Anden. Nach Osten türmt sich das Hochgebirge auf. Feuchte Luft aus dem Amazonasbecken regnet sich an den Anden ab, bevor sie die Wüste erreicht – was ankommt, ist staubtrockene Ostluft.
  • Der Humboldtstrom. Vor der Küste zieht eine kalte Meeresströmung von der Antarktis nach Norden. Kalte Luft über kaltem Wasser steigt kaum auf, also bilden sich keine Regenwolken. Statt Regen entsteht nur der zähe Küstennebel, den man vor Ort Camanchaca nennt.
  • Der subtropische Hochdruckgürtel. Wie die meisten großen Wüsten liegt die Atacama in einer Zone dauerhaften Hochdrucks um den 25. bis 30. Breitengrad. Absinkende Luft erwärmt sich und löst Wolken auf, statt sie zu bilden.

Diese Kombination ist weltweit einzigartig. Deshalb fällt hier über Jahrzehnte hinweg messbar nichts.

Noch verrückter: Leben, wo keines möglich scheint

Lange galt der Kern der Atacama als steril – ein toter Boden ohne Leben. Das stimmt nicht. In salzhaltigen Tonschichten unter der Oberfläche fanden Forscher über 30 Arten salzliebender Bakterien und Archaeen, die dort aktiv leben. Ihr Trick: Sie ziehen winzige Mengen Feuchtigkeit aus dem Salz und dem Nebel, nicht aus Regen.

Genau das macht die Wüste für die NASA so wertvoll. Extreme Trockenheit, die höchste UV-Strahlung der Erde und salzige, stark oxidierende Böden ähneln den Bedingungen auf dem Mars so stark wie kaum ein anderer Ort auf unserem Planeten. Im NASA-Projekt LITA testete ein autonomer Bohr-Rover hier, wie man Spuren von Leben im Wüstenboden aufspürt – ein Generalprobe für die Suche nach Mars-Leben.

Und der trockene, wolkenfreie Himmel macht die Hochebenen der Atacama zum besten Sternenfenster der Welt. Auf der Chajnantor-Hochebene in rund 5.000 Metern Höhe steht ALMA, eines der größten Radioteleskope der Erde; die Berge weiter südlich tragen die Großobservatorien Paranal und La Silla.

Wenn die Wüste plötzlich blüht

Alle paar Jahre passiert das Unwahrscheinliche: In einem El-Niño-Jahr fällt ausnahmsweise etwas Regen – und der Wüstenboden explodiert in Farbe. Millionen Samen, die jahrelang im Sand geschlummert haben, keimen fast gleichzeitig und überziehen den Boden mit lila, gelben und weißen Blüten. Die Chilenen nennen es desierto florido, die blühende Wüste. Ein paar Wochen später ist alles wieder braun und wartet auf den nächsten seltenen Regen.

Quellen

Häufige Fragen

Wie viel Regen fällt in der Atacama pro Jahr?

Im trockensten Kern der Atacama fallen im langjährigen Mittel nur etwa 0,5 Millimeter Niederschlag pro Jahr. An manchen Wetterstationen wurde seit Beginn der Messungen überhaupt kein Regen registriert.

Warum ist die Atacama so extrem trocken?

Drei Faktoren wirken zusammen: der Regenschatten der Anden, der kalte Humboldtstrom vor der Küste, der Regenwolken verhindert, und der subtropische Hochdruckgürtel, in dem absinkende Luft Wolken auflöst.

Ist die Atacama wirklich der trockenste Ort der Erde?

Ja, sie gilt als trockenster Ort der Erde außerhalb der Polargebiete. Ihr Kern ist seit mindestens 15 Millionen Jahren hyperarid, also durchgehend extrem trocken.

Gibt es in der Atacama überhaupt Leben?

Ja. In salzhaltigen Bodenschichten leben über 30 Arten salzliebender Bakterien und Archaeen. Sie ziehen Feuchtigkeit aus Salz und Küstennebel, nicht aus Regen. Deshalb dient die Wüste der NASA als Mars-Modell.

Warum blüht die Atacama manchmal?

In seltenen El-Niño-Jahren fällt ausnahmsweise etwas Regen. Dann keimen Millionen jahrelang ruhende Samen fast gleichzeitig und überziehen den Boden mit Blüten – die Chilenen nennen das desierto florido, die blühende Wüste.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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