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Fangschreckenkrebs: 16 Farbrezeptoren – und trotzdem farbenblinder als du

Nahaufnahme eines Pfauenaugen-Fangschreckenkrebses mit seinen gestielten Augen im Korallenriff

Das Auge des Fangschreckenkrebses trägt 16 verschiedene Farbrezeptoren – dein Auge hat drei. Damit sitzt im Korallenriff ein Krebs, dessen Sehapparat als der komplexeste im gesamten Tierreich gilt: Er nimmt ultraviolettes Licht in mehreren Kanälen wahr, erkennt die Schwingungsrichtung von Lichtwellen und rechnet dabei mit einer Ausstattung, gegen die unser Farbsehen fast primitiv wirkt.

Stimmt das wirklich?

Ja. Während das menschliche Auge nur drei Zapfentypen für Rot, Grün und Blau besitzt, trägt das Mittelband im Auge eines Stomatopoden bis zu 16 spektrale Rezeptortypen. Zwölf davon reagieren jeweils auf eine andere Wellenlänge – vom Ultraviolett bis tief ins Rot – und vier zusätzliche Zelltypen sind allein auf UV-Licht spezialisiert.

Dazu kommt die schiere Zahl: Jedes der beiden gestielten Augen setzt sich aus bis zu 10.000 Einzelaugen (Ommatidien) zusammen, und beide Augen bewegen sich völlig unabhängig voneinander. Ein einzelnes Auge nimmt ein Objekt sogar dreifach wahr und kann so allein Entfernungen abschätzen – ein Trick, für den wir zwei Augen brauchen.

Warum haben die Augen des Fangschreckenkrebses so viele Farbrezeptoren?

Das Geheimnis liegt in einem Streifen quer über der Augenmitte, dem sogenannten Mittelband aus sechs Rezeptorreihen. Es ist in Zonen aufgeteilt, die sich die Arbeit teilen:

  • Reihen 1 bis 4: das eigentliche Farbsehen. Hier sitzen die zwölf Farbrezeptoren plus die vier UV-Zellen – zusammen die 16 spektralen Kanäle.
  • Reihen 5 und 6: zuständig für polarisiertes Licht. Der Fangschreckenkrebs erkennt nicht nur die Schwingungsebene von linear polarisiertem Licht, sondern ist das einzige bekannte Tier, das auch zirkular polarisiertes Licht wahrnimmt.

Für ein Tier, das im flirrenden Licht eines Korallenriffs jagt, sich mit Signalfarben behauptet und Rivalen an ihrer Panzer-Reflexion erkennt, ist das ein enormer Vorteil. Der Krebs liest eine Bildinformation aus, die uns komplett verborgen bleibt.

Noch verrückter: mehr Rezeptoren heißt nicht besser sehen

Man würde erwarten, dass 16 Farbrezeptoren ein Farbspektrum in unvorstellbarer Feinheit auflösen. 2014 stellte ein Forscherteam der University of Queensland genau das auf die Probe – und kam zu einem verblüffenden Ergebnis, das in der Fachzeitschrift Science erschien.

In Verhaltenstests mussten die Tiere zwei Farben unterscheiden. Das Resultat: Ein Fangschreckenkrebs trennt zwei Farbtöne erst dann sicher, wenn ihre Wellenlängen rund 25 Nanometer auseinanderliegen – etwa der Abstand zwischen einem satten Gelb und Orange. Der Mensch schafft mit seinen mageren drei Zapfentypen Unterschiede von etwa einem Nanometer.

Der Krebs sieht Farben also nicht feiner, sondern gröber als wir. Der Grund: Er verrechnet die Signale seiner Rezeptoren nicht wie unser Gehirn, sondern nutzt seine Augen wie einen Zeilenscanner. Mit einer schnellen Bewegung tastet er ein Objekt ab, und jede Rezeptorreihe meldet direkt ihr Ergebnis – ein grobes Raster statt einer feinen Rechnung. Das kostet Genauigkeit, ist aber blitzschnell. Und Tempo zählt mehr als Nuance, wenn im Riff die Beute vorbeihuscht.

Die eigentliche Superkraft des Fangschreckenkrebses ist damit nicht die schönste, sondern die schnellste Farberkennung im Meer.

Quellen

Häufige Fragen

Wie viele Farbrezeptoren hat ein Fangschreckenkrebs?

Das Auge eines Fangschreckenkrebses besitzt bis zu 16 spektrale Rezeptortypen: 12 für Farben von UV bis Rot und 4 zusätzliche UV-Zellen. Der Mensch hat nur 3 Zapfentypen.

Sieht der Fangschreckenkrebs mehr Farben als der Mensch?

Nein. Trotz 16 Rezeptoren unterscheidet er Farbtöne erst ab rund 25 Nanometern Wellenlängenunterschied. Der Mensch trennt schon Unterschiede von etwa 1 Nanometer und sieht Farben damit feiner.

Wie funktioniert das Farbsehen des Fangschreckenkrebses?

Er verrechnet die Rezeptorsignale nicht wie unser Gehirn, sondern tastet Objekte mit einer schnellen Augenbewegung wie ein Zeilenscanner ab. Das ist gröber, aber sehr schnell.

Kann der Fangschreckenkrebs polarisiertes Licht sehen?

Ja. Zwei Reihen seines Augen-Mittelbands erkennen polarisiertes Licht. Er ist das einzige bekannte Tier, das sogar zirkular polarisiertes Licht wahrnehmen kann.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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