Ein Liter Wasser aus dem Toten Meer wiegt rund 1,24 Kilogramm — ein Liter Mensch ungefähr ein Kilogramm. In diesem Viertel Gewichtsunterschied steckt die komplette Antwort darauf, warum man im Toten Meer nicht untergehen kann: Der See schiebt jeden Körper so weit nach oben, bis nur noch ein Bruchteil davon unter der Oberfläche liegt. Schwimmbewegungen braucht es dafür keine, Anspannung auch nicht. Der berühmte Zeitungsleser auf dem Rücken ist kein Fototrick, sondern nackte Dichte.
Stimmt das wirklich?
Ja — und die Zahlen dahinter sind ungewöhnlich eindeutig. Normales Meerwasser enthält etwa 3,5 Prozent Salz. Das Tote Meer liegt im Mittel bei rund 28 Prozent, in den tieferen, wärmeren Schichten und an einzelnen Messstellen werden gut 34 Prozent erreicht. Das ist etwa das Zehnfache eines gewöhnlichen Ozeans, und es ist kein Ausreißer eines heißen Sommers, sondern der Dauerzustand dieses Sees.
Dieser Salzberg im Wasser treibt die Dichte auf ungefähr 1,24 Kilogramm pro Liter. Ein Mensch kommt im Mittel auf etwa 1,0 Kilogramm pro Liter — mit Luft in der Lunge sogar knapp darunter. Rechne es einmal für einen 75 Kilogramm schweren Körper durch: Er hat rund 75 Liter Volumen, muss aber nur etwa 60 Liter Salzwasser verdrängen, um sein eigenes Gewicht auszugleichen. Die restlichen rund 15 Liter — fast ein Fünftel des Körpers — bleiben zwangsläufig über der Wasserlinie. Bauch, Brust, Knie und Gesicht ragen heraus, ob man will oder nicht.
Warum du im Toten Meer nicht untergehen kannst
Zuständig ist das archimedische Prinzip: Jeder Körper in einer Flüssigkeit erfährt einen Auftrieb, der genau dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeitsmenge entspricht. Ob etwas schwimmt oder sinkt, entscheidet damit nicht das Gewicht allein, sondern der Vergleich zweier Dichten — die des Körpers und die der Flüssigkeit.
Im Baggersee oder in der Ostsee liegen diese beiden Werte dicht beieinander. Deshalb schwebt man dort knapp unter der Oberfläche und muss aktiv arbeiten, um Mund und Nase über Wasser zu halten. Im Toten Meer ist die Flüssigkeit rund 24 Prozent schwerer als der Badegast. Der Auftrieb übertrifft das Körpergewicht deutlich, und das Gleichgewicht stellt sich erst ein, wenn ein großer Teil des Körpers aus dem Wasser herausgehoben ist. Was sich anfühlt wie Zauberei, ist eine simple Bilanz aus zwei Zahlen.
Nebenwirkung dieser Bilanz: Richtig schwimmen kann man hier kaum. Die Beine werden nach oben gedrückt, die Arme finden keinen Widerstand, jeder Kraulversuch endet als Zappeln an der Oberfläche. Baden im Toten Meer heißt liegen, nicht schwimmen.
Woher das viele Salz kommt
Das Tote Meer ist ein abflussloser See. Von Norden speist ihn der Jordan mit Süßwasser, doch kein Fluss führt wieder hinaus. In der Wüstenluft verdunstet ständig Wasser, die gelösten Mineralien bleiben zurück und reichern sich über Jahrtausende an — ein Verdunstungskessel, der nur Salz sammelt und nie etwas abgibt.
Verstärkt wird das durch die Lage: Die Wasseroberfläche liegt mehr als 430 Meter unter dem Meeresspiegel, der Seeboden im Nordbecken sogar rund 800 Meter darunter. In dieser Senke staut sich die Hitze und die Verdunstung läuft auf Hochtouren. Bemerkenswert ist auch die Mischung: Nur etwa 30 Prozent der Salze sind gewöhnliches Kochsalz (Natriumchlorid). Den größten Anteil stellt mit rund 50 Prozent Magnesiumchlorid, dazu kommen Calcium- und Kaliumchlorid. Deshalb schmeckt das Wasser nicht einfach salzig, sondern bitter und metallisch, und es fühlt sich auf der Haut fast ölig an.
Für Leben ist diese Brühe zu viel: Fische und Wasserpflanzen halten den Salzdruck nicht aus, daher der Name. Ganz tot ist der See trotzdem nicht — salzliebende Archaeen und die Grünalge Dunaliella kommen damit zurecht und können das Wasser bei einer Blüte sogar rötlich einfärben.
Noch verrückter: nicht untergehen — und trotzdem ertrinken
Der Auftrieb, der einen so bequem trägt, ist gleichzeitig die größte Gefahr. Wer mit dem Gesicht nach unten kippt, wird flach an der Oberfläche festgehalten und muss sich gegen genau diese Kraft zurückdrehen. In Bauchlage ist das überraschend schwer, besonders mit brennenden Augen und Panik im Nacken. Israelische Behörden zählen den See deshalb zu den gefährlicheren Badestellen des Landes; Rettungsschwimmer holen dort jedes Jahr mehr als ein Dutzend Menschen aus dem Wasser.
Dazu kommt die Lauge selbst. Ins Auge geraten brennt sie heftig. Werden größere Mengen verschluckt, bringt der Mineralschock den Elektrolythaushalt durcheinander und reizt die Atemwege — Aspiration kann die Lunge ernsthaft schädigen. An den Stränden gilt darum überall dieselbe Regel: nie kopfüber hineinspringen, das Gesicht trocken halten, keine Wasserschlachten, vorher kleine Hautverletzungen und frische Rasuren bedenken. Wer im Toten Meer nicht untergehen kann, ist damit noch lange nicht sicher.
Der See schrumpft — jedes Jahr um mehr als einen Meter
Der Fakt hat ein Verfallsdatum, das gerade abläuft. Weil Israel und Jordanien dem Jordan massiv Wasser für Landwirtschaft und Industrie entnehmen, kommen statt der rund 1.300 Millionen Kubikmeter jährlich aus den 1930er-Jahren heute nur noch etwa 310 Millionen Kubikmeter an. Der Wasserspiegel fällt seit Jahrzehnten um mehr als einen Meter pro Jahr und liegt inzwischen bei etwa 440 Metern unter dem Meeresspiegel.
Das trockengefallene Ufer bringt eine eigene Gefahr mit: Süßes Grundwasser löst die alten Salzschichten im Untergrund auf, das Gelände sackt ein. Seit den 1980er-Jahren sind auf diese Weise rund 6.000 Dolinen entstanden, jedes Jahr kommen Hunderte neue dazu — Straßen, Palmenplantagen und ganze Strandabschnitte wurden bereits aufgegeben. Der Auftrieb bleibt, doch der See, der ihn erzeugt, wird kleiner.
Quellen
- Wikipedia: Totes Meer — Salzgehalt, Dichte, Salzzusammensetzung, Pegel und Zuflussmengen.
- deadsea.com: Why You Float in the Dead Sea — Dichtevergleich und Auftriebsrechnung.
- ESKP (Helmholtz): Erdfälle am Toten Meer — sinkender Wasserspiegel und Dolinen-Bildung.
- WorldAtlas: Is It Possible to Drown in the Dead Sea? — Ertrinkungsrisiko trotz Auftrieb.
Häufige Fragen
Warum kann man im Toten Meer nicht untergehen?
Mit bis zu 34 Prozent Salz erreicht das Wasser eine Dichte von rund 1,24 kg pro Liter und ist damit etwa ein Viertel schwerer als der menschliche Körper. Der Auftrieb übersteigt das Körpergewicht, man treibt automatisch oben.
Wie hoch ist der Salzgehalt des Toten Meeres?
Im Mittel rund 28 Prozent, in tieferen Schichten und an einzelnen Messstellen gut 34 Prozent — etwa zehnmal so viel wie normales Meerwasser mit 3,5 Prozent.
Kann man im Toten Meer ertrinken?
Ja. Der starke Auftrieb hält den Körper flach an der Oberfläche und macht es schwer, sich aus der Bauchlage zurückzudrehen. Rettungsschwimmer holen dort jedes Jahr mehr als ein Dutzend Menschen aus dem Wasser.
Warum ist das Tote Meer so salzig?
Es ist ein abflussloser See: Der Jordan bringt Wasser hinein, es fließt aber keines ab. In der Wüstenhitze verdunstet ständig Wasser, während Salze und Mineralien zurückbleiben und sich anreichern.
Kann man im Toten Meer schwimmen?
Kaum. Das dichte Wasser drückt die Beine nach oben, Kraul- oder Bruststil funktionieren nicht. Üblich ist entspanntes Liegen auf dem Rücken mit trockenem Gesicht.
