Ein fingernagelgroßes Tier im Sumpf Nordamerikas erkennt seine Beute, zerkaut und schluckt sie in 120 Millisekunden – schneller, als du blinzeln kannst. Der Sternmull hält dafür den Guinness-Rekord als schnellster fressender Säuger der Welt. Sein Werkzeug ist keine Nase zum Riechen, sondern ein Kranz aus 22 beweglichen Tastarmen, dicht besetzt mit tausenden Sinneszellen.
Stimmt das wirklich?
Ja, und die Zahlen sind gut belegt. Der Neurowissenschaftler Kenneth Catania hat den Sternmull (Condylura cristata) mit Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt: Vom ersten Berühren der Beute bis zum Schlucken vergehen im Schnitt rund 227 Millisekunden, im schnellsten Fall nur 120 Millisekunden. Das Tier kann so bis zu fünf Beutestücke pro Sekunde verschlingen. Ob ein Krümel überhaupt essbar ist, entscheidet das Gehirn in etwa 8 Millisekunden – deshalb steht der Sternmull im Guinness-Buch der Rekorde.
Die Tastnase besteht aus 22 fleischigen Fortsätzen, den sogenannten Strahlen. Auf ihnen sitzen mehr als 25.000 Eimersche Organe, winzige Tastrezeptoren, die zusammen über 100.000 Nervenfasern zum Gehirn schicken – rund fünf- bis sechsmal so viele Tastsensoren, wie die ganze menschliche Hand mit ihren etwa 17.000 Rezeptoren besitzt. Und das alles auf einer Fläche kleiner als eine Fingerkuppe.
Warum ist das so?
Der Sternmull lebt fast blind in dunklen, feuchten Gängen im Nordosten Nordamerikas. Augen nützen ihm dort wenig, also übernimmt der Tastsinn die Führung. Der Stern ist im Grunde ein zweites Auge – nur dass er mit Berührung „sieht“ statt mit Licht.
Beim Suchen tastet das Tier den Boden blitzschnell ab, wie ein Metalldetektor. Trifft ein Strahl auf etwas Interessantes, wird die Beute sofort in die Mitte des Sterns gerückt, wo die kleinsten, empfindlichsten Strahlen sitzen – eine Art anatomische Lupe. Bemerkenswert ist, wie viel Hirn dahintersteckt: Rund 52 Prozent des Tastfeldes im Gehirn sind allein für die Nase reserviert. Das Tier „denkt“ also größtenteils mit der Nase.
Die Eimerschen Organe sind übrigens keine Erfindung des Sternmulls. Der deutsche Zoologe Theodor Eimer beschrieb sie schon 1872 am gewöhnlichen Maulwurf. Der Sternmull hat dieses Sinnesprinzip nur auf die Spitze getrieben.
Noch verrückter
Der Sternmull kann unter Wasser riechen – etwas, das Biologen lange für unmöglich hielten. Beim Tauchen stößt er kleine Luftblasen aus, saugt sie sofort wieder ein und „schmeckt“ so die Duftmoleküle darin. Das macht er bis zu zwölf Mal pro Sekunde. Passend dazu hat er die doppelte Lungenkapazität normaler Maulwürfe und nutzt seinen Schwanz beim Schwimmen als Ruder.
Und dieser Winzling ist ein Vielfraß: Er verputzt täglich die Hälfte seines eigenen Körpergewichts an Würmern, Insekten, kleinen Krebsen, Weichtieren und sogar Fischchen. Wer so schnell frisst, muss auch schnell nachschieben.
Häufige Fragen
Wie schnell frisst der Sternmull?
Er erkennt, zerkaut und schluckt Beute im schnellsten Fall in nur 120 Millisekunden und hält damit den Guinness-Weltrekord als schnellster fressender Säuger.
Wozu dient die Sternnase mit 22 Armen?
Die 22 Strahlen sind kein Riechorgan, sondern ein hochempfindlicher Tastsinn. Damit ertastet der fast blinde Sternmull seine Beute in dunklen Gängen blitzschnell.
Was sind Eimersche Organe?
Winzige Tastrezeptoren in der Haut. Der Sternmull trägt über 25.000 davon auf seiner Nase – mehr als fünfmal so viele Tastsensoren wie die ganze menschliche Hand.
Kann der Sternmull unter Wasser riechen?
Ja. Er stößt beim Tauchen Luftblasen aus und saugt sie sofort wieder ein, um die Duftmoleküle darin zu erschnuppern – bis zu zwölfmal pro Sekunde.
Wo lebt der Sternmull?
In feuchten Niederungen und Sümpfen im Nordosten Nordamerikas. Er ist ein exzellenter Schwimmer und jagt sowohl an Land als auch unter Wasser.
