Ein Feuerregenbogen am Himmel ist ein Halo aus Eis – weder Feuer noch Regenbogen. Sonnenlicht bricht sich in Millionen waagerecht schwebender Eisplättchen, die in acht bis zwölf Kilometern Höhe in dünnen Cirruswolken treiben, und legt ein breites, waagerechtes Farbband weit unter die Sonne. Fachlich heißt die Erscheinung Zirkumhorizontalbogen. Sichtbar wird sie erst, wenn die Sonne mindestens 57,8 Grad über dem Horizont steht – und genau daran scheitert sie in Deutschland fast immer.
Stimmt das wirklich?
Ja, und der Spitzname führt gleich doppelt in die Irre. Meteorologen zählen den Zirkumhorizontalbogen zu den Haloerscheinungen: optische Effekte, die entstehen, wenn Licht an Eiskristallen gebrochen oder gespiegelt wird. Ein echter Regenbogen bildet sich dagegen in flüssigen Regentropfen und steht der Sonne genau gegenüber. Dieses Halo entsteht in Eis, liegt rund 46 Grad unterhalb der Sonne und verläuft parallel zum Horizont – ein Band, kein Bogen über dem Kopf. Der englische Begriff „fire rainbow“ tauchte erst um 2006 auf und hat sich seitdem über soziale Netzwerke festgesetzt.
Weil das Licht in flachen, gleichmäßig ausgerichteten Kristallen gebrochen wird, sind die Farben reiner und satter als beim Regenbogen: Rot leuchtet immer oben, Blau unten. Der Streifen wirkt dadurch wie flüssiges Licht, das in der Wolke hängt.
Warum leuchten die Schleierwolken in Regenbogenfarben?
Entscheidend ist die Form der Eiskristalle. In hohen Cirrus- und Cirrostratuswolken wachsen sechseckige Plättchen, die beim langsamen Absinken wie winzige Fensterscheiben waagerecht in der Luft liegen. Steht die Sonne hoch genug, passiert Folgendes:
- Der Sonnenstrahl tritt durch eine senkrechte Seitenfläche in das Kristall ein.
- Im Inneren wird das weiße Licht in seine Spektralfarben zerlegt, weil jede Wellenlänge unterschiedlich stark abgelenkt wird.
- Der aufgefächerte Strahl verlässt das Kristall durch die nahezu waagerechte Unterseite – diese Geometrie erzeugt das horizontale Farbband.
Zwischen Eintritts- und Austrittsfläche liegen 90 Grad. Dieser Prismenwinkel fächert das Licht so weit auf, dass die Farben sauber getrennt bleiben. Ab 57,8 Grad Sonnenhöhe erscheint das Band, seine größte Intensität erreicht es aber erst bei 67,9 Grad. Steht die Sonne tiefer, verfehlt der Strahl die nötige Geometrie – und die Wolke bleibt einfach eine Wolke.
Halo oder irisierende Wolke? Der Test in zehn Sekunden
Die meisten Bilder, die in sozialen Netzwerken als brennende Wolke kursieren, zeigen etwas anderes: irisierende Wolken. Die entstehen durch Beugung an winzigen Wassertröpfchen und Eiskristallen unterschiedlicher Größe, nicht durch Brechung in ausgerichteten Plättchen. Drei Merkmale trennen die beiden zuverlässig:
- Form: Der Zirkumhorizontalbogen ist ein glattes, waagerechtes Band parallel zum Horizont. Irisierende Wolken zeigen fleckige, perlmuttartige Farbwirbel, die den Wolkenkanten folgen.
- Farbfolge: Beim Halo liegt Rot oben und Blau unten, immer in dieser Reihenfolge. Bei irisierenden Wolken wechseln die Pastelltöne unregelmäßig.
- Sonnenstand: Das Halo braucht mindestens 57,8 Grad Sonnenhöhe, also die Mittagsstunden im Sommerhalbjahr. Irisierende Wolken gibt es das ganze Jahr, auch bei tief stehender Sonne.
Leicht zu verwechseln ist außerdem der Zirkumzenitalbogen: Der hängt wie ein umgedrehtes Lächeln hoch über der Sonne nahe dem Zenit, zeigt Rot an der Unterseite und erscheint bei niedrigem Sonnenstand – also in jeder Hinsicht andersherum.
Wo und wann ein Feuerregenbogen am Himmel möglich ist
Nördlich von 55 Grad nördlicher Breite und südlich von 55 Grad südlicher Breite klettert die Sonne auf Meereshöhe nie hoch genug – dort ist die Erscheinung ausgeschlossen, es sei denn, man steht auf einem hohen Berg. Deutschland liegt direkt an dieser Kante, und zwischen Nord und Süd klafft ein erstaunlicher Unterschied:
| Ort | Sonne über 57,8 Grad | Zeitfenster |
|---|---|---|
| Flensburg | 8. Juni bis 4. Juli | knapp vier Wochen |
| München | 5. Mai bis 7. August | gut drei Monate |
| London | Mitte Mai bis Ende Juli | ca. 140 Stunden im Jahr |
| Los Angeles | Ende März bis Ende September | ca. 670 Stunden im Jahr |
Selbst in Bayern und Baden-Württemberg bleibt es ein Kompromiss: Die 67,9 Grad, bei denen das Farbband am kräftigsten leuchtet, erreicht die Sonne in Deutschland nie. Deutsche Sichtungen fallen deshalb blasser aus als die spektakulären Fotos aus dem Süden der USA. Wer einen Feuerregenbogen am Himmel jagen will, braucht drei Dinge gleichzeitig: Hochsommer, die Stunden um den Mittag und einen Himmel mit dünnen, faserigen Cirruswolken. Fehlt die hohe Eiswolkenschicht, gibt es nichts, worin sich das Licht brechen könnte; fehlt der hohe Sonnenstand, hilft auch die schönste Cirrusdecke nichts.
Noch verrückter: In den USA gehört er zum Sommer
In niedrigeren Breiten kippt die Statistik komplett. Dort zählt der Zirkumhorizontalbogen zu den häufigeren Halos und wird mehrmals pro Sommer beobachtet, oft über ganze Wolkenbänke hinweg und in kräftigen Farben. Was hier als seltenes Wunder durchs Netz geistert, ist über Kalifornien, Texas oder West Virginia ein vertrauter Anblick. Ein Feuerregenbogen am Himmel ist damit kein seltenes Phänomen an sich – er ist nur bei uns selten. Der Unterschied ist keine Laune des Wetters, sondern reine Geometrie: eine Frage des Breitengrads.
Quellen
- Wikipedia: Zirkumhorizontalbogen
- Wikipedia: Circumhorizontal arc
- AKM/meteoros: Zirkumhorizontalbogen (EE23)
- Wetterdienst.de: Farbenprächtiges am Himmel – Zirkumhorizontalbogen
- AKM/meteoros: Irisierende Wolken
Häufige Fragen
Ist ein Feuerregenbogen wirklich ein Regenbogen?
Nein. Fachlich ist es ein Zirkumhorizontalbogen, also eine Haloerscheinung. Er entsteht in Eiskristallen statt in Regentropfen und liegt waagerecht rund 46 Grad unterhalb der Sonne, nicht ihr gegenüber.
Wie entsteht ein Feuerregenbogen?
Sonnenlicht tritt seitlich in waagerecht schwebende, sechseckige Eisplättchen der Cirruswolken ein und verlässt sie durch die Unterseite. Dabei wird es in seine Spektralfarben zerlegt.
Wie hoch muss die Sonne stehen?
Mindestens 57,8 Grad über dem Horizont, sonst erscheint kein Farbband. Am kräftigsten leuchtet der Bogen bei 67,9 Grad Sonnenhöhe – ein Wert, den Deutschland nie erreicht.
Kann man einen Feuerregenbogen in Deutschland sehen?
Sehr selten. In Flensburg steht die Sonne nur vom 8. Juni bis 4. Juli hoch genug, in München immerhin vom 5. Mai bis 7. August – jeweils nur um die Mittagszeit und nur bei Cirrusbewölkung.
Woran erkenne ich den Unterschied zu irisierenden Wolken?
Der Zirkumhorizontalbogen ist ein glattes, waagerechtes Band mit Rot oben und Blau unten. Irisierende Wolken zeigen fleckige Pastellwirbel entlang der Wolkenkanten und treten das ganze Jahr auf.
