Ein Pottwal atmet an der Meeresoberfläche kräftig aus, kippt seinen mächtigen Kopf nach unten und verschwindet senkrecht in die Dunkelheit. Für die nächste gute Stunde holt er keine Luft mehr — er stößt zu Jagdgründen vor, in die kein Sonnenstrahl mehr dringt. Kein anderes Säugetier taucht tiefer oder länger. Routinemäßig geht es einen Kilometer hinab, die stärksten Bullen werden noch weit darunter vermutet.
Stimmt das wirklich? Die Zahlen zum Tauchrekord
Ja — und die belegten Werte sind fast noch beeindruckender als die gerundete Schlagzeile. Mit an den Tieren befestigten Tiefenmessern haben Forschende Tauchgänge von über 2.000 Metern dokumentiert; für die größten Männchen werden Tiefen bis rund 3.000 Meter angenommen. Zum Vergleich: Das ist tiefer, als der Ozean an vielen Küsten überhaupt reicht.
Beim Atem gilt Ähnliches. Ein typischer Jagdtauchgang dauert etwa 45 Minuten am Stück ohne einen einzigen Atemzug. Bei außergewöhnlich langen Tauchgängen sind aber schon Zeiten von deutlich über anderthalb Stunden gemessen worden — Werte um 90 bis 120 Minuten liegen für Pottwale klar im Bereich des Belegten. Damit tauchen sie länger und tiefer als jedes andere luftatmende Lebewesen der Erde.
Warum ein Pottwal so lange ohne Luft auskommt
Der Trick ist nicht ein riesiger Lungeninhalt, sondern ein besserer Sauerstoff-Speicher im Körper selbst. Pottwale haben ungewöhnlich viel Blut und darin sehr viel Hämoglobin, dazu extrem hohe Myoglobin-Werte in den Muskeln. Myoglobin bindet Sauerstoff direkt im Muskelgewebe — der Wal nimmt seinen Vorrat also gewissermaßen im Fleisch mit nach unten, nicht nur in der Lunge.
Dazu kommt eiserne Sparsamkeit. Sobald der Tauchgang beginnt, verlangsamt sich der Herzschlag drastisch (Bradykardie), und der Kreislauf drosselt die Durchblutung von allem, was gerade nicht überlebenswichtig ist. Der knappe Sauerstoff wird gezielt zu Gehirn und Herz geleitet, während Muskeln und Verdauung auf Sparflamme laufen. So streckt der Körper einen einzigen Atemzug über eine ganze Stunde.
Wie er den Druck der Tiefsee überlebt
In 2.000 Metern lastet ein Druck von rund 200 Bar auf dem Körper — das Zweihundertfache des Luftdrucks an der Oberfläche. Ein menschlicher Taucher bekäme in solchen Tiefen tödliche Probleme, allen voran die Taucherkrankheit, wenn beim Auftauchen Stickstoff aus dem Blut ausperlt.
Der Pottwal umgeht das elegant: Vor dem Abstieg atmet er aus, und seine Lunge klappt unter dem steigenden Druck kontrolliert zusammen. Die restliche Luft wird in verstärkte, unnachgiebige Atemwege gepresst, wo kaum noch Stickstoff ins Blut übergehen kann. Ohne gelösten Stickstoff gibt es beim Auftauchen auch keine gefährlichen Gasblasen. Was für uns eine tödliche Falle wäre, ist für ihn Alltag.
Noch verrückter: Jagd im Dunkeln mit dem lautesten Klick der Welt
In dieser Tiefe herrscht absolute Finsternis — Augen nützen wenig. Der Pottwal jagt deshalb per Echoortung und erzeugt dabei die lautesten Töne des gesamten Tierreichs: Klicklaute von bis zu 230 Dezibel. Aus dem Echo liest er die Umgebung wie ein Sonar und ortet seine Lieblingsbeute, Tiefsee-Tintenfische, in völliger Dunkelheit.
Verantwortlich für die gebündelten Klicks ist der riesige, kastenförmige Kopf, der bis zu ein Drittel der Körperlänge ausmacht. Darin sitzt das mit Abstand schwerste Gehirn im Tierreich und das mit Öl gefüllte Walrat-Organ, das die Schallwellen fokussiert und zusätzlich beim Steuern des Auftriebs hilft. Wer die kreisrunden Saugnapf-Narben auf der Haut mancher Bullen sieht, ahnt, gegen welchen Gegner es dort unten geht: den Riesenkalmar.
Ausgewachsene Männchen erreichen dabei bis zu 18 Meter Länge, Weibchen im Schnitt rund 11 Meter — schwimmende Rekordhalter, die den größten Teil ihres Lebens in einer Welt verbringen, die Menschen nur mit Spezial-U-Booten erreichen.
Quellen
- WDC Deutschland — Artenführer Pottwal
- WWF Jugend — Der Pottwal, fantastische Fakten
- Biology Insights — How Deep Can Sperm Whales Go
Häufige Fragen
Wie tief kann ein Pottwal tauchen?
Mit Tiefenmessern sind Tauchgänge von über 2.000 Metern belegt; für die größten Bullen werden Tiefen bis rund 3.000 Meter angenommen. Damit ist der Pottwal das am tiefsten tauchende Säugetier.
Wie lange kann ein Pottwal die Luft anhalten?
Ein normaler Jagdtauchgang dauert etwa 45 Minuten ohne Luftholen. Bei besonders langen Tauchgängen sind Zeiten von deutlich über 90 Minuten dokumentiert.
Warum bekommt der Pottwal keine Taucherkrankheit?
Vor dem Tauchen atmet er aus, seine Lunge klappt zusammen und presst die Restluft in verstärkte Atemwege. So gelangt kaum Stickstoff ins Blut, und beim Auftauchen bilden sich keine gefährlichen Gasblasen.
Wie findet der Pottwal in der dunklen Tiefsee seine Beute?
Er jagt per Echoortung und erzeugt dabei die lautesten Töne des Tierreichs — Klicks bis 230 Dezibel. Aus dem Echo ortet er Tiefsee-Tintenfische in völliger Dunkelheit.
Was frisst ein Pottwal in der Tiefe?
Vor allem Tiefsee-Tintenfische, darunter Riesenkalmare. Die kreisrunden Saugnapf-Narben auf der Haut mancher Bullen zeugen von diesen Kämpfen in großer Tiefe.
