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Warum ist der Mars rot? Rost, Ferrihydrit und ein feuchter Frueh-Mars

Der rostrote Planet Mars im Weltall, seine Oberfläche von feinem Eisenoxidstaub bedeckt

Der Mars trägt seinen Beinamen „roter Planet“ zu Recht – und der Grund dafür ist im Kern erstaunlich alltäglich: Es ist Rost. Eine hauchdünne Staubschicht aus oxidiertem Eisen überzieht die ganze Welt und färbt sie rostrot. Der Wind wirbelt diesen Staub bis in die Atmosphäre, weshalb sogar der Marshimmel tagsüber butterscotch-farben schimmert. Neu ist: Dieser Rost erzählt von Wasser.

Stimmt das wirklich?

Ja. Die Marsoberfläche ist von einer feinen Staubschicht bedeckt, in der Eisenoxide den Ton angeben – chemisch nichts anderes als Rost. Schon die Viking-Lander der 1970er und später Rover wie Opportunity und Curiosity maßen den hohen Eisenanteil im Boden. Der entscheidende Wert: Nach einer Studie der Universität Bern und der Brown University (veröffentlicht am 25. Februar 2025 in Nature Communications) machen wasserhaltige Eisenoxide rund 20 bis 33 Gewichtsprozent des Marsstaubs aus. Genug, um einen ganzen Planeten einzufärben.

Warum sieht der Mars rot aus?

Eisen reagiert mit Sauerstoff zu Eisenoxid – derselbe Prozess, der ein Fahrrad im Regen rostbraun werden lässt. Auf dem Mars liegt eisenreiches Basaltgestein an der Oberfläche, das über die Zeit oxidierte. Der entstandene Staub ist so leicht, dass ihn schon schwache Winde aufwirbeln und über den gesamten Planeten verteilen. Globale Staubstürme, die den Mars manchmal monatelang komplett einhüllen, sorgen dafür, dass praktisch jeder Winkel mit derselben rötlichen Schicht überzogen ist. Der rote Farbeindruck entsteht also nicht aus dem tiefen Gestein, sondern aus dieser dünnen, weltumspannenden Staubhülle.

Der Rost, der von Wasser erzählt

Lange galt das trockene Eisenoxid Hämatit als Verursacher – ein Mineral, das sich über Milliarden Jahre unter warmen, trockenen Bedingungen bildet. Das passte allerdings nie ganz: Messungen von Raumsonden zeigten eine Absorptionsspitze bei drei Mikrometern Wellenlänge, ein Fingerabdruck für gebundenes Wasser. Hämatit ist aber wasserfrei.

Das Berner Team um Dr. Adomas Valantinas mischte im Labor künstlichen Marsstaub und verglich ihn mit den Spektraldaten von NASA-Sonden (Mars Reconnaissance Orbiter), ESA-Missionen (Mars Express, ExoMars) und den Rovern. Die beste Übereinstimmung lieferte nicht Hämatit, sondern Ferrihydrit (Fe₅O₈H·nH₂O) – ein wasserhaltiges Eisenoxid. Und genau das ist die Pointe: Ferrihydrit entsteht nur in Gegenwart von kühlem, flüssigem Wasser, und zwar schnell, nicht über Äonen. Der Marsrost ist damit kein Zeichen einer langen, trockenen Alterung, sondern das versteinerte Andenken an eine feuchte Frühzeit.

Noch verrückter

Wenn der rote Staub aus Ferrihydrit besteht, muss der Mars einst nass genug gewesen sein, damit sich dieses Mineral massenhaft bilden konnte. Die Forschenden vermuten die entscheidende Oxidation im Hesperianischen Zeitalter vor etwa drei Milliarden Jahren – möglicherweise angestoßen von Vulkanismus, der unterirdisches Eis schmelzen ließ. Die Farbe des heutigen, eiskalten und knochentrockenen Wüstenplaneten ist also paradoxerweise ein Beleg dafür, dass es dort früher flüssiges Wasser gab – die wichtigste Zutat für Leben, wie wir es kennen.

Den endgültigen Beweis muss die Erde noch abwarten: Der NASA-Rover Perseverance sammelt aktuell Bodenproben, die eine geplante Rückholmission zur Erde bringen soll. Erst im irdischen Labor lässt sich zweifelsfrei prüfen, ob im Marsstaub tatsächlich Ferrihydrit steckt – und was er über das verlorene Wasser des roten Planeten verrät.

Quellen

Häufige Fragen

Warum ist der Mars rot?

Eine feine Staubschicht aus oxidiertem Eisen – also Rost – bedeckt die gesamte Oberfläche. Der Wind verteilt diesen Staub über den ganzen Planeten und färbt ihn rostrot.

Ist der Mars wirklich aus Rost?

Nicht komplett, aber die rote Farbe entsteht durch Eisenoxide im Oberflächenstaub. Diese wasserhaltigen Eisenoxide machen laut einer Studie von 2025 rund 20 bis 33 Gewichtsprozent des Marsstaubs aus.

Was ist Ferrihydrit und warum ist es wichtig?

Ferrihydrit ist ein wasserhaltiges Eisenoxid. Eine Studie der Universität Bern (2025) identifizierte es als Ursache der Marsfarbe. Da es nur mit flüssigem Wasser entsteht, belegt es einen feuchten Frueh-Mars.

Beweist die rote Farbe Wasser auf dem Mars?

Sie ist ein starkes Indiz. Weil Ferrihydrit nur in Gegenwart von kühlem Wasser entsteht, deutet der Marsstaub auf eine feuchte Vergangenheit vor rund drei Milliarden Jahren hin – endgültige Bestätigung sollen Bodenproben liefern.

Warum wirkt auch der Marshimmel rötlich?

Der feine Eisenoxidstaub wird ständig aufgewirbelt und schwebt in der Atmosphäre. Er streut das Licht so, dass der Marshimmel tagsüber einen rötlich-butterscotchfarbenen Ton annimmt.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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