Ein Feuertornado entsteht, wenn die Hitze eines Großbrands eine so kräftige Aufwindsäule erzeugt, dass sie vorhandene Drehbewegungen der Umgebungsluft einsammelt und zu einer einzigen rotierenden Flammensäule bündelt. Von unten strömt ständig frische Luft nach, die Drehung zieht sich zur Mitte hin zusammen und wird dabei immer schneller — aus einer Feuerfront wird ein eigenständiger Wirbel, der Windgeschwindigkeiten wie ein starker Tornado erreichen kann.
Stimmt das wirklich?
Ja, und der bekannteste Fall ist bis auf die Minute dokumentiert. Am 26. Juli 2018 drehte sich im kalifornischen Carr Fire bei Redding ein Feuerwirbel über den Boden, den der US-Wetterdienst nachträglich mit EF3 bewertete: Die Schäden an Wohnhäusern setzen Böen von mehr als 230 km/h voraus, die Spitzenwerte im Wirbel wurden auf rund 250 km/h geschätzt. Vier Menschen kamen darin ums Leben, Strommasten knickten um, Fahrzeuge wurden versetzt. Es ist der stärkste je in Kalifornien registrierte Fall.
Ein Einzelfall ist er nicht. Bei den Buschbränden um Canberra wurden 2003 in einem Feuerwirbel horizontale Winde von 260 km/h gemessen — Australiens erster Fall mit EF3-Werten. Und am 12. Juli 2025 zog beim Deer-Creek-Feuer nahe La Sal in Utah ein feuergetriebener Tornado zwölf Minuten lang nahezu stationär über bewohntes Gebiet. Die Windschäden an den Gebäuden, die nicht abbrannten, brachten ihm vom National Weather Service die Einstufung EF2 ein; verletzt wurde niemand, weil die Anwohner vorher evakuiert worden waren.
Die große Mehrheit der Fälle sieht allerdings harmloser aus: 10 bis 50 Meter hoch, wenige Meter breit, nach ein paar Minuten wieder vorbei.
Warum ist das so? Die Physik, aus der ein Feuertornado entsteht
Der Antrieb ist die Hitze. Über einem intensiven Brand schießt Luft nach oben und lässt am Boden einen Unterdruck zurück, der seitlich Luft nachzieht. Diese nachströmende Luft bringt fast immer schon eine leichte Drehung mit — entlang der Feuerfront, an einer Geländekante, in einer Zone mit Windscherung. Erwischt der Aufwind so ein Drehfeld, kippt er es in die Senkrechte und zieht es in die Länge.
Ab da übernimmt die Drehimpulserhaltung. Wie bei einer Eiskunstläuferin, die die Arme anlegt, steigt die Rotationsgeschwindigkeit, je enger sich die Luft zur Achse zusammenzieht. Der Sog reißt gleichzeitig Sauerstoff in die Flammen, das Feuer brennt heißer, der Aufwind wird stärker — eine Rückkopplung, die sich selbst am Laufen hält, solange Brennstoff da ist.
Beim Carr Fire kam der entscheidende Verstärker von oben. Die Radaranalyse von Neil Lareau (University of Nevada, Reno) zeigt, dass die Rauchsäule innerhalb von 15 Minuten von etwa 6 auf 12 Kilometer Höhe hochschoss und sich zu einer eisgekrönten Pyrocumulonimbus-Wolke auftürmte. Dieses Aufsaugen streckte die Luftsäule darunter und presste die Rotation am Boden zusammen — exakt der Mechanismus, mit dem gewöhnliche Tornados ihre Wucht bekommen. Lareau nennt den Vorgang deshalb „Pyrotornadogenese“.
Feuerwirbel oder echter Feuertornado?
Der Unterschied ist keine Wortklauberei, sondern eine Frage der Höhe. Ein gewöhnlicher Feuerwirbel — umgangssprachlich „Feuerteufel“ — bezieht seine Drehung aus Bodenwind und Hitze. Er bleibt niedrig, hängt an keiner Wolke und verschwindet, sobald der Brennstoff unter ihm ausgeht. Ein Feuertornado im engeren Sinn reicht dagegen vom Boden bis zur Basis der Pyrocumulonimbus-Wolke und bezieht seine Streckung aus deren Aufwind. Solche Fälle sind so selten, dass Fachleute bis heute über jeden einzelnen streiten.
Gemeinsam ist beiden die Temperatur: Im brennenden Kern werden bis zu 1.100 °C erreicht. Das reicht, um Aluminium und Blei flüssig zu machen — und erklärt, warum Einsatzkräfte einem Wirbel niemals ausweichen können, sondern ihm zuvorkommen müssen.
Wie oft passiert so etwas?
Kleine Feuerwirbel begleiten praktisch jeden großen Vegetationsbrand. Tornadostarke Exemplare sind so ungewöhnlich, dass es 2020 beim Loyalton Fire in Nordkalifornien zur ersten Tornadowarnung überhaupt kam, die ein US-Meteorologe für einen Feuerwirbel statt für ein Gewitter ausgegeben hat.
Die Voraussetzung dafür — Feuer, die eigene Gewitterwolken bauen — wird allerdings häufiger. Eine weltweite Inventur zählte für 2013 bis 2023 insgesamt 761 bestätigte Pyrocumulonimbus-Ereignisse, mit einem Rekordjahr 2023: 169 weltweit, allein 142 davon über Kanada. Im Juli 2026 traf es Europa: Über den Bränden in der Gironde bildete sich die erste in Frankreich dokumentierte Pyrocumulonimbus-Wolke, während rund 42.000 Hektar verbrannten, mindestens 240 Häuser zerstört wurden und etwa 220.000 Menschen evakuiert werden mussten. Solche Wolken produzieren Blitze, die noch in mehr als 30 Kilometern Entfernung neue Feuer zünden können. Ein Feuertornado entsteht auch dann nicht zwangsläufig — aber die Zutaten dafür liegen bereit.
Noch verrückter
Der tödlichste Feuerwirbel der Geschichte hatte mit Wald nichts zu tun. Nach dem großen Kantō-Erdbeben von 1923 brannte Tokio, und über einem Sammelplatz namens Hifukusho-Ato, auf dem sich Zehntausende Menschen mit ihrem geretteten Hausrat in Sicherheit glaubten, bildete sich ein gewaltiger Feuerwirbel. Er tötete rund 38.000 Menschen in einer Viertelstunde.
Und nach oben hört das Phänomen nicht auf. Bei den Waldbränden in British Columbia schoss 2017 eine Pyrocumulonimbus-Wolke Rauch bis in rund 22 Kilometer Höhe in die Stratosphäre, wo er monatelang um den Globus trieb und messbar Sonnenlicht schluckte. Ein Feuer, das groß genug wird, ist irgendwann kein Feuer mehr, sondern ein Wettersystem.
Quellen
- Lareau, Nauslar & Abatzoglou: The Carr Fire Vortex: A Case of Pyrotornadogenesis?, Geophysical Research Letters 2018 — agupubs.onlinelibrary.wiley.com
- National Weather Service Grand Junction: Fire-Induced Tornado at Deer Creek Wildfire, July 12, 2025 — weather.gov
- Peterson et al.: Worldwide inventory of pyrocumulonimbus and stratospheric smoke plumes 2013–2023, npj Climate and Atmospheric Science 2025 — nature.com
- NASA Earthdata: Canadian Wildfires and Recent PyroCb Events — earthdata.nasa.gov
- ORF / L’essentiel zum Gironde-Feuer und der ersten PyroCb-Wolke über Frankreich, Juli 2026 — orf.at
- Wikipedia: Fire whirl (Größen, Temperaturen, Canberra 2003, Hifukusho-Ato 1923) — en.wikipedia.org
Häufige Fragen
Wie entsteht ein Feuertornado?
Die Hitze eines Großbrands erzeugt eine schnell aufsteigende Luftsäule. Trifft sie auf eine bereits leicht drehende Strömung, kippt sie diese Drehung in die Senkrechte und zieht sie in die Länge – die Rotation wird schneller und bündelt sich zur Feuersäule.
Wie schnell wird ein Feuertornado?
Die meisten Feuerwirbel bleiben schwach. Extreme Fälle wie Carr Fire 2018 (EF3, über 230 km/h) oder Canberra 2003 (260 km/h) erreichen aber die Windgeschwindigkeiten eines starken Tornados.
Was ist der Unterschied zwischen Feuerwirbel und Feuertornado?
Ein Feuerwirbel zieht seine Drehung aus Bodenwind und Hitze und bleibt meist 10 bis 50 Meter hoch. Ein echter Feuertornado reicht vom Boden bis zur Pyrocumulonimbus-Wolke darüber und ist sehr selten.
Wie heiß wird ein Feuerwirbel?
Im brennenden Kern werden bis zu 1.100 °C erreicht – heiß genug, um Metalle wie Aluminium oder Blei flüssig werden zu lassen.
Gab es schon tödliche Feuertornados?
Ja. Nach dem Kantō-Erdbeben 1923 tötete ein Feuerwirbel in Tokio rund 38.000 Menschen in 15 Minuten. Beim Carr Fire 2018 starben vier Menschen im Wirbel.
