Olympus Mons gilt als höchster Berg des Sonnensystems: Sein Gipfel liegt rund 21,3 Kilometer über dem Mars-Nullniveau, über der westlich angrenzenden Tiefebene Amazonis Planitia sind es sogar bis zu 26 Kilometer. Der Mount Everest kommt auf 8.849 Meter über dem Meeresspiegel. Stündest du oben auf dem Marsvulkan, würdest du von dieser Höhe allerdings nichts bemerken — dazu gleich mehr.
Stimmt das wirklich? Die Zahlen zum Rekordvulkan
Ja, und sie sind gut vermessen. Die Laser-Höhenmessung MOLA an Bord der Sonde Mars Global Surveyor beziffert den Gipfel auf 21.287 Meter über dem Referenzniveau des Mars. Dass in Büchern trotzdem mal 22, mal 25, mal 26 Kilometer auftauchen, liegt nicht an schlampigen Messungen, sondern am Bezugspunkt: Über der unmittelbaren Umgebung ragt der Vulkan gut 22 Kilometer auf, über der tiefer gelegenen Ebene im Nordwesten rund 26. Wer Zahlen zu Olympus Mons vergleicht, sollte also immer mitlesen, worauf sie sich beziehen.
| Merkmal | Olympus Mons | Vergleich |
|---|---|---|
| Höhe | 21,3 km über dem Mars-Nullniveau, bis 26 km über der Amazonis Planitia | Everest: 8,8 km über dem Meer |
| Breite | rund 600 km | Fläche ~300.000 km² — etwa die Größe Italiens |
| Randabbruch | Steilkante bis zu 8 km hoch | fast so hoch wie der ganze Everest |
| Gipfelcaldera | sechs ineinander gestürzte Krater, 60 × 80 km, bis 3,2 km tief | größer als Berlin samt Umland |
| Hangneigung | im Schnitt nur ~5 % | flacher als manche Autobahnauffahrt |
| Letzter großer Ausbruch | vor ~25 Mio. Jahren | jüngste Lavaströme nur ~2 Mio. Jahre alt |
Warum Olympus Mons höchster Berg des Sonnensystems werden konnte
Der Schlüssel liegt in etwas, das dem Mars fehlt: wandernde Krustenplatten. Auf der Erde zieht die Kruste langsam über heiße Aufstiegszonen im Inneren, sogenannte Hotspots. Deshalb entstehen dort keine Einzelriesen, sondern Ketten — Hawaii ist so eine Perlenschnur aus Inseln, weil jeder Vulkan nach einigen Millionen Jahren von seiner Feuerquelle abgeschnitten wird und der nächste weiter östlich neu anfängt.
Auf dem Mars steht die Kruste still. Der Hotspot pumpt über Hunderte Millionen Jahre Lava an ein und dieselbe Stelle, Schicht auf Schicht, ohne dass der Vulkan je weiterwandert. So türmt sich ein einzelner Schildvulkan zu einem Koloss auf, der auf der Erde nie möglich wäre. Die geringere Schwerkraft hilft zusätzlich: Mit rund 38 Prozent der irdischen Anziehung kann sich Gestein deutlich höher stapeln, bevor es unter dem eigenen Gewicht in sich zusammensackt. Und die dünnflüssige Basaltlava floss so weit, dass daraus eine flache, breite Schildform wurde statt eines steilen Kegels.
Auf dem Gipfel würdest du gar keinen Berg sehen
Genau diese Schildform macht den Besuch seltsam. Die Flanken steigen im Mittel nur um etwa fünf Prozent an — eine sehr lange Wanderung, keine Kletterei. Vom Gipfel aus fiele der Hang so sanft in alle Richtungen ab, dass er lange vor dem Fuß des Bergs hinter dem Marshorizont verschwände, der wegen des kleineren Planetenradius schon nach gut drei Kilometern endet. Der Blick über eine Rekordhöhe von 22 Kilometern? Fehlanzeige. Du stündest auf einer leicht geneigten Ebene, die nirgendwo hinführt.
Beeindruckender ist der Rand: Rund um den Vulkan bricht das Gelände in einer bis zu acht Kilometer hohen Steilkante ab — eine Klippe, die für sich genommen fast dem gesamten Everest entspricht. Im Zentrum liegt eine Gipfelcaldera aus sechs ineinander gestürzten Kratern, 60 mal 80 Kilometer weit und bis zu 3,2 Kilometer tief; die zugehörige Magmakammer wird rund 32 Kilometer unter dem Caldera-Boden vermutet. Ganz erloschen ist der Riese vermutlich nicht: Manche Lavaströme sind erdgeschichtlich blutjung, gerade zwei Millionen Jahre alt.
Noch verrückter: Morgens liegt Raureif in der Caldera
Im Juni 2024 meldete ein Team um Adomas Valantinas in Nature Geoscience etwas, das dort niemand erwartet hatte: Wasserfrost auf den Gipfeln der Tharsis-Vulkane, Olympus Mons eingeschlossen. Die Farbkamera CaSSIS an Bord des ESA-Orbiters ExoMars Trace Gas Orbiter fotografierte kurz nach Sonnenaufgang bläuliche Beläge auf Caldera-Boden und -Rand, die am Nachmittag wieder verschwunden waren; Spektraldaten und unabhängige Bilder von Mars Express bestätigten den Befund.
Die Frostschicht ist etwa ein Hundertstel Millimeter dünn, dünner als ein menschliches Haar. Weil sie eine gewaltige Fläche bedeckt, wechseln in der kalten Jahreszeit trotzdem rund 150.000 Tonnen Wasser täglich zwischen Boden und Atmosphäre hin und her — ungefähr der Inhalt von 60 olympischen Schwimmbecken. Überraschend ist der Fund, weil die Tharsis-Vulkane nahe dem Marsäquator stehen, wo viel Sonne die Oberfläche aufheizt. Die Erklärung: Aufwinde tragen feuchte Luft aus den Tiefebenen die Flanken hinauf, wo sie in der Nacht auskühlt und über der Caldera kondensiert.
War der Riese einmal eine Vulkaninsel?
2023 legte eine Gruppe um den CNRS-Forscher Anthony Hildenbrand in Earth and Planetary Science Letters eine steile These vor: Die auffälligen Knicke im oberen Bereich des Steilrands sehen aus wie die versteinerte Uferlinie einer Vulkaninsel. Auf der Erde entstehen solche Kanten, wenn Lava auf Meerwasser trifft und schlagartig zäher wird. Übertragen auf den Mars hieße das, dass Olympus Mons vor rund 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren als Insel aus einem Ozean auf der Nordhalbkugel ragte. Ein ähnliches Muster fanden die Forscher am Vulkan Alba Mons.
Bewiesen ist der Marsozean damit nicht — die Frage, wie viel Wasser der junge Mars an der Oberfläche hielt, ist weiter offen. Aber die Hangkanten sind ein Argument dafür, dass hier einmal flüssiges Wasser gegen heiße Lava stieß.
Wer entdeckte ihn — und teilt er sich den Titel?
Schon 1879 sah der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli an dieser Stelle einen hellen Fleck im Teleskop und nannte ihn „Nix Olympica“, den Schnee des Olymp. Was sich dahinter verbirgt, zeigte erst die NASA-Sonde Mariner 9 im Jahr 1971: ein Vulkan, dessen Gipfel als dunkler Ring aus einem globalen Staubsturm ragte, während der Rest des Planeten unter Staub verschwand. Rückblickend war Schiaparellis heller Fleck genau dieser Gipfel.
Ganz allein an der Spitze steht der Marsvulkan nicht: In reiner Höhe liegt Rheasilvia, der Zentralberg im Riesenkrater des Asteroiden Vesta, ungefähr gleichauf. Als Vulkan und als Erhebung eines Planeten bleibt Olympus Mons aber unerreicht — womit er höchster Berg des Sonnensystems bleibt, solange kein größerer auftaucht.
Quellen
- Olympus Mons — Wikipedia (MOLA-Höhendaten, Caldera, Randabbruch)
- Valantinas et al. (2024): Evidence for transient morning water frost deposits on the Tharsis volcanoes of Mars — Nature Geoscience
- Universität Bern: Erster Frostnachweis auf den höchsten Vulkanen des Sonnensystems
- CNRS (2023): War Olympus Mons einst eine gigantische Vulkaninsel?
- Encyclopaedia Britannica — Olympus Mons
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Olympus Mons genau?
Sein Gipfel liegt 21.287 Meter über dem Mars-Nullniveau, rund 22 Kilometer über der unmittelbaren Umgebung und bis zu 26 Kilometer über der Tiefebene Amazonis Planitia. Der Everest misst 8.849 Meter über dem Meer.
Warum steht der höchste Berg auf dem Mars und nicht auf der Erde?
Dem Mars fehlt die Plattentektonik: Die Kruste bleibt über dem Hotspot stehen, und die Lava stapelt sich über Hunderte Millionen Jahre an derselben Stelle. Die geringere Schwerkraft lässt den Berg zusätzlich höher werden.
Könnte der Olympus Mons noch einmal ausbrechen?
Der letzte große Ausbruch liegt etwa 25 Millionen Jahre zurück, einzelne Lavaströme sind aber nur rund zwei Millionen Jahre alt. Ganz erloschen ist der Vulkan deshalb wahrscheinlich nicht, nur sehr lange still.
Könnte man den Olympus Mons besteigen?
Es wäre eher eine sehr lange Wanderung als eine Kletterei: Die Flanken steigen im Mittel nur etwa fünf Prozent an. Die Hürden sind die 600 Kilometer Durchmesser, die bis zu acht Kilometer hohe Randklippe und die fehlende Atemluft.
Gibt es Wasser auf dem Olympus Mons?
Ja, in Spuren: 2024 wies der ESA-Orbiter Trace Gas Orbiter kurz nach Sonnenaufgang hauchdünnen Wasserfrost in der Gipfelcaldera nach. Er ist nur ein Hundertstel Millimeter dick und verdampft im Lauf des Vormittags.
