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Ambosswolke: Wie ein Gewitterturm 12 km hoch wächst

Riesige Ambosswolke (Cumulonimbus incus) mit flach ausgezogener Spitze über einer weiten Landschaft

Wenn sich eine Gewitterwolke oben plötzlich flach zieht und wie ein gigantischer Amboss über den Himmel wächst, dann hat sie ihre Decke erreicht. Der Aufwind ist gegen eine unsichtbare Barriere in rund 11 Kilometern Höhe gelaufen, die Luft kann nicht weiter nach oben – und quillt seitwärts aus. Genau diese seitliche Ausbreitung ist die Ambossform. Meteorologen nennen sie Cumulonimbus incus, das lateinische Wort für Amboss.

Warum wird die Wolke oben flach?

Ein Gewitterturm lebt von warmer, feuchter Luft, die vom Boden aufsteigt. Solange dieses Luftpaket wärmer und damit leichter ist als seine Umgebung, steigt es weiter – oft mit mehreren Metern pro Sekunde, in kräftigen Zellen deutlich schneller. Der Motor läuft also so lange, wie die Luft nach oben „leichter“ bleibt als das, was sie umgibt.

In etwa 11 Kilometern Höhe endet das über den mittleren Breiten schlagartig. Dort liegt die Tropopause, die Grenze zwischen der wetteraktiven Troposphäre und der darüber liegenden Stratosphäre. Ab hier sinkt die Temperatur mit der Höhe nicht weiter, sondern bleibt gleich oder steigt sogar wieder. Die Schichtung wird so stabil, dass der Aufwind abrupt abgebremst wird – als würde die Wolke gegen eine Zimmerdecke laufen.

Von unten strömt aber weiter Luft nach. Sie muss irgendwohin, und der einzige freie Weg ist zur Seite. So breitet sich die Wolkenspitze horizontal aus und formt den charakteristischen flachen Schirm mit den ausgezogenen Rändern. Der obere Teil besteht dabei fast nur noch aus Eiskristallen – deshalb wirkt der Amboss faserig und heller als der kompakte, dunkle Wolkenkörper darunter.

Stimmen die 12 Kilometer wirklich?

Über Mitteleuropa erreichen ausgewachsene Gewittertürme typisch 10 bis 12 Kilometer Höhe. Das ist kein grober Schätzwert, sondern folgt direkt der Höhe der Tropopause an diesem Ort. In den Tropen liegt diese Grenze viel höher, weshalb Gewitter dort auf 15, 18 und in Extremfällen über 20 Kilometer wachsen können – höher als jeder Verkehrsflieger fliegt.

Zum Vergleich: Der Mount Everest misst knapp 8,8 Kilometer. Ein durchschnittlicher Gewitterturm überragt ihn also locker. Und obwohl so eine Wolke federleicht wirkt, steckt in einem mittleren Cumulonimbus rechnerisch die Masse eines ausgewachsenen Ozeandampfers an Wasser – nur eben verteilt auf Milliarden winziger Tröpfchen und Eiskristalle, die der Aufwind in der Schwebe hält.

Nicht jeder Amboss sieht gleich aus

Wolkenforscher unterscheiden mehrere Wachstumsstadien desselben Gewitters. Solange die Spitze noch rundlich und blumenkohlartig aussieht, heißt die Wolke Cumulonimbus calvus – der Turm wächst noch. Beginnt die Spitze auszufransen und faserig zu werden, weil sich Eiskristalle bilden, spricht man von Cumulonimbus capillatus. Und erst wenn sich der Amboss voll ausgeprägt hat, ist es der incus. Die Form verrät also, wie reif und kräftig das Gewitter gerade ist.

Noch verrückter: der Turm, der durch die Decke stößt

Manchmal ist der Aufwind so brutal, dass er die Tropopause nicht nur erreicht, sondern regelrecht durchstößt. Über der flachen Ambossfläche wölbt sich dann eine kuppelartige Beule ein Stück in die Stratosphäre hinein. Dieses Phänomen heißt Overshooting Top und ist für Meteorologen ein Alarmsignal: Es zeigt an, dass in der Wolke extrem starke vertikale Winde toben. Solche Zellen produzieren bevorzugt großen Hagel, Sturmböen und im schlimmsten Fall Tornados.

Die Richtung des Ambosses erzählt übrigens noch mehr. Weil die Höhenwinde den Eisschirm verwehen, zeigt die lange Ausziehung meist in die Zugrichtung des Gewitters. Wer den Amboss über sich wachsen sieht und die Spitze zeigt auf ihn zu, sollte sich also nicht lange fragen, ob es gleich losgeht. Ein einzelner Gewitterturm ist dabei ein kurzlebiges Wesen: Eine einzelne Zelle lebt oft nur 20 bis 30 Minuten, bevor der niederschlagende Abwind ihren eigenen Aufwind abwürgt. Große Gewittersysteme aus vielen Zellen halten sich dagegen stundenlang oder ziehen über einen ganzen Tag.

Quellen

  • Deutsche Meteorologische Gesellschaft: Warum haben manche Gewitterwolken einen Amboss? (2021)
  • Wikipedia: Cumulonimbus cloud / Amboss (Meteorologie)
  • WetterOnline, Wetterlexikon: Cumulonimbus
  • StudySmarter: Cumulonimbus – Entstehung, Höhe & Gewitter

Häufige Fragen

Was ist eine Ambosswolke?

Eine Ambosswolke ist ein voll entwickelter Gewitterturm (Cumulonimbus incus), dessen Spitze sich flach zu einer breiten Amboss-Form ausgezogen hat. Der lateinische Name incus bedeutet Amboss.

Warum wird eine Gewitterwolke oben flach?

In rund 11 km Höhe liegt die Tropopause. Dort wird die Luftschichtung so stabil, dass der Aufwind gestoppt wird. Die nachströmende Luft breitet sich seitwärts aus und formt den flachen Amboss.

Wie hoch wird ein Cumulonimbus?

Über Mitteleuropa erreichen Gewittertürme meist 10 bis 12 km. In den Tropen liegt die Tropopause höher, dort wachsen sie auf 15 bis über 20 km – höher als der Mount Everest.

Was bedeutet ein Overshooting Top?

Ist der Aufwind extrem stark, durchstößt er die Tropopause und wölbt eine Kuppel über den Amboss in die Stratosphäre. Das signalisiert ein sehr kräftiges Gewitter mit Hagel-, Sturm- oder Tornado-Gefahr.

Was unterscheidet calvus, capillatus und incus?

Calvus hat eine noch runde, wachsende Spitze, capillatus eine faserige aus Eiskristallen, und incus den voll ausgeprägten Amboss. Die Form zeigt, wie reif das Gewitter ist.

Über den Autor
Behla

Hinter derBehla steckt Marcel: neugieriger Faktensammler und Familienvater. Ich sammle Wahrheiten, die wie erfunden klingen — und prüfe jede an ihrer Quelle, bevor sie hier landet.

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